DIE REISE GEORG HAUERS Am 13. Juni 1808 brach in Wien der fürstliche Hofrat Georg Hauer zu einer längeren Reise auf, die für die Zukunft des Fürstentums Liechtenstein von grosser Bedeutung werden sollte. Seine Reise hatte zwei Ziele: Erstens wollte er das Fürstentum Liechtenstein bereisen und dessen Verwaltung untersuchen. Zweitens wollte er in der Schweiz Kühe einkaufen, mit denen sich die Rindviehzucht auf den fürstlichen Herrschaften verbessern Hess. Hofrat Hauer traf am 19. Juni in Vaduz ein. Bereits am nächsten Tag begann er mit seiner «Lokalisierung», die darin bestand, dass er alles, was mit der Landesverwaltung oder der herrschaftlichen Ökonomie zu tun hatte, besichtigte und überall nach Verbesserungsmöglichkeiten suchte. Am ersten Tag nahm er einen Augenschein von den herrschaftlichen Gebäuden und Gütern. Dann besuchte er Triesen und Balzers und am zweiten und dritten Tag die Alp Sücka. Dabei überanstrengte er sich und zog sich eine fiebrige Erkältung zu, die ihn für mehrere Tage ins Bett zwang. Nun wurde seine Laune denkbar schlecht, und er begann mit seinem Schicksal zu hadern, das ihn in diesen elenden, abgelege- nen Winkel der Welt geführt hatte. Nichts war ihm mehr recht: Es gab keine vertrauenerweckenden Ärzte und keine richtigen Apotheken in der Gegend. Die Speisen und Getränke in Vaduz waren für den hohen Herrn ungeniessbar und ekelerregend. Der Gedanke, dass er Vaduz bald wieder verlassen könne, war sein einziger Trost. Am 28. Juni - mittlerweile hatte er fünf Tage das Bett gehütet - ging es ihm wieder etwas besser, so dass er sich in der Lage fühlte, Einblick in die Tätigkeit des Oberamtes zu nehmen. Dieser Aufgabe widmete er sich dann auch am nächsten Tag. Die Erkenntnisse, die er dabei gewann, lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Alles musste von Grund auf anders werden. Der altgediente Landvogt Franz Xaver Menzinger sei zwar ehrlich, ansonsten aber alt, heruntergekommen, verdriesslich und verstehe von den Amtsgeschäf- ten nicht das mindeste. Die Amtsorganisation stamme noch aus einer längst vergangenen Zeit und müsse nach modernen Richtlinien neu organisiert werden. Für die Institution der beiden Landschaften mit ihren Landammännern hatte er nicht das geringste Verständnis. Sein vernichtendes Urteil lautete «Bauernvögte»,1 und damit war die Sache für ihn auch schon abgetan. Zwischendurch empfing er auch 73
        

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