hausten und herrschten. Die Vaduzer Linie der Grafen von Werden- berg aber starb 1416 aus. Ihre Rechtsnachfolger waren für nahezu hundert Jahre die Freiherren von Brandis. Die Freiherren von Brandis scheinen aber nicht allzu jagdbegeistert gewesen zu sein, denn sie schauten den grossen Jagden lieber zu als selber aktiv teilzunehmen. Das darf man aus einer Zeugenaussage von 1515 schliessen, wo es heisst «wol wissentlich, dass die herren von Brandiss, sälgen gedächt- niss, grosse gejagd angesehen haben». So wäre es möglich gewesen, dass mit der Zeit (also nach 1416) das Jagdrecht oder im Hinblick auf das Vogelmolken die Jagdpflicht von Seiten der Freiherren von Brandis arg vernachlässigt wurde und im Verlaufe der Jahrzehnte wegen Nichtgebrauch verloren ging. Aus der Jagdpflicht wurde in jener Zeit allmählich ein Jagdrecht. Die Gebirgsjagd wurde vermehrt das Vergnügen der Herren. Die österr. Vogteiverwaltung in Bludenz war am Jagdrecht auf den Nenzinger und Frastanzer Alpen sehr interessiert und übernahm es allmählich ohne viel davon zu reden. Ich komme zu dieser Annahme, weil man beim Lesen der Zeugenaus- sagen von 1515 den Eindruck bekommt, dass zu jener Zeit auch die Jagd in Gamperdona schon weitgehend nicht mehr in den Händen der Vaduzer Grafen war. Die schon alten Zeugen beriefen sich fast alle auf ältere, schon längst verstorbene Vorfahren. Alle sprachen von ferner Vergangenheit und nicht von den Verhältnissen der Gegenwart. Auch dieses Jagdgebiet müssen die Freiherren von Brandis in den letzten Jahren ihrer Herrschaft arg vernachlässigt haben. Die kaiserlichen Jäger hatten zu jenem Zeitpunkt, so scheint es wenigstens, auch den Talkessel von Gamperdona schon weitgehend als kaiserliche Jagd betrachtet. Der Nenzinger Himmel war m.E. der letzte Rest von dem einst viel grösseren Jagdgebiet der Herren von Vaduz auf Vorarlberger Gebiet. Das Gamperdonatal war nah gelegen und über das Sareiser- joch leicht erreichbar; es wurde gemäss den Zeugenaussagen vor Gericht von den Brandisern auch tatsächlich noch bejagt. Aber ist es nicht sonderbar, dass anno 1515 kein sulzischer Jäger bei der Gerichstverhandlung in Vaduz aufgetreten ist? Also ist anzunehmen, dass auch die Jagdgrenze bei der Schafbruck im Jahre 1515 von den kaiserlichen Jägern schon nicht mehr respektiert wurde. Die Freiher- ren von Brandis waren allem Anschein nach am Vogelmolken mehr interessiert als an der Jagd oder anders ausgedrückt: den Lohn (Vogelmolken) nahmen sie entgegen, aber die Arbeit (die Vertreibung 68
        

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