Kugel im recht holprigen Lauf verklemmt gewesen sein, wäre es absolut denkbar, dass dabei das durch Lunkern geschwächte Material nachgab und die Kanone zerbarst. Vom strategischen Standpunkt aus ist der Fundort des Kanonen- fragmentes nur bedingt gut gewählt. Wohl kommt man von der Nordseite des Hügels am nächsten an das Ziel heran, aber dies betrifft nur die effektive Distanz. Nachteilig dürfte sich sicher der zu überwindende Höhenunterschied von rund 60 m ausgewirkt haben. Die normale Schussdistanz solcher Waffen wird auf 200 bis 250 Meter geschätzt. Der an dieser Stelle aber relativ steile Schusswinkel muss dem Geschoss viel Einschlagkraft genommen haben, was klar macht, dass die Schüsse die Mauern nicht zu beschädigen geschweige denn zu durchschlagen vermochten und die Verteidiger der Burg diese Angriffe nur mit Gespött quittierten. Selbstverständlich wäre es interessant, das vorliegende Fragment anhand der Typologie genauer zu datieren. Die oben erwähnten Vermutungen beruhen nur auf Indizien ohne genügend Beweiskraft. Da keine datierten Vergleichsobjekte vorliegen, müssen wir versu- chen, über zeitgemässe Bilddarstellungen näheren Aufschluss zu erhalten. Dazu bieten sich die Bildchroniken von Diepold Schilling an; die «Luzerner Chronik» ist nur kurz nach dem Schwaben krieg, zwischen 1511 und 1513 entstanden. Darin sind verschiedene Geschütze wiedergegeben, unter welchen wir einige Darstellungen finden, die in der Profilierung der Rohre in etwa unserem Mündungsfragment entsprechen. Oft wiederholen sich die Wulstbildungen und Reife über die ganze Länge in regelmässigen Abständen (Diepold Schilling, Folio 102 r; Folio 187 v). Die Bezeichnung «Schlange» kommt von der Länge des Rohres. In der Regel handelt es sich um Hinterlader, d.h. der Flug war hinten offen, und die das Pulver aufnehmende Kammer wurde dort eingesetzt. Montiert und in Stellung gebracht wurde sie meistens auf einer Bocklafette, die vorn auf einem zweibeinigen Spreizbock ruhte; der Schwanz lag auf dem Boden. Der gewünschte Schusswinkel konnte mittels der beiden Richthörner eingestellt werden (Abb. 2). Der Transport erfolgte auf einem von einem Pferd gezogenen zweirädrigen Karrengestell mit einer Gabeldeichsel. Interessant ist die Tatsache, dass die bei Diepold Schilling abgebildeten, in der Profilierung ähnlichen Kanonen französische Beutestücke waren. Dabei erinnern wir uns an die historische 226
        

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