ZUSAMMENFASSUNG Bei der in Balzers vor 50 Jahren entdeckten Bestattung aus dem 4. Jahrhundert handelt es sich um eine Frau, die zwischen dem 30. und dem 35. Lebensjahr gestorben ist. Die Beigaben und auch der aufwendige Grabbau zeichnen sie als sozial höher gestellte Dame aus. Die Tatsache einer «anthropologisch weiblichen» Bestattung mit «archäologisch männlichen» Beigaben - die kein Einzelfall darstellt - zeigt die Fragwürdigkeit der Geschlechtsbestimmung aufgrund von Beigaben. Wir könnten uns nämlich - den Gedanken von R. Noll aufnehmend - vorstellen, dass Zwiebelknopffibeln zwar eine primär Männern zugedachte Auszeichnung darstellten, durchaus aber auch gelegentlich deren Kinder und sogar auch Frauen mit ins Grab gegeben worden sind. Die Orientierung ihres Grabes nach Süden deutet daraufhin, dass es sich wahrscheinlich nicht um eine getaufte Christin gehandelt hat. Nach einer Zeit heftigster Christenverfolgungen unter dem römischen Kaiser Diokletian erfolgte 313 unter Kaiser Konstantin dem Grossen die vollständige Religionsfreiheit für alle Christen. In diese Jahrzehnte des für das Christentum entscheidenden Umbruchs - am wahrschein- lichsten um die Mitte des 4. Jahrhunderts - fällt die Bestattung unserer Dame. Allerdings gibt es gerade in Gräbern auch noch weiterhin Zwiebelknopffibeln, die mit dem Christogramm (^) versehen sind und so die Konfession deutlich machen. Durch Erdbewegungen mag die Lage der Dame im Grab von Balzers leicht gestört worden sein. Sie wurde in Rückenlage bestattet, mit gestreckten Armen und Beinen. Dabei war der rechte Arm möglicherweise etwas vom Körper abgerückt und der Kopf nicht unterlegt. Ihre Körpergrösse hatte zu Lebzeiten etwa 160 cm betragen. Im Reihenvergleich der Schädelmasse und Indices gleicht sie am meisten den Keltoromanen aus Bonaduz aus dem 4. bis 7. Jahrhun- dert. Wohl handelt es sich bei diesen um eine von Romanen durchmischte rätische Bevölkerung, also Räto- oder Keltoromanen. Diese wiederum sind den aus römischer Zeit (1.-4. Jh.) stammenden, wohl als Keltoromanen zu bezeichnenden Individuen aus einem allerdings weiten geografischen Raum des schweizerisch-süddeut- schen Gebietes besonders ähnlich. Auch bezüglich der Masse an den Langknochen besteht eine weitgehende Übereinstimmung mit den 199
        

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