Appetit der Schweiz» gewesen, sondern er habe die Auffassung vertreten «wir sollten also eher warten, bis die Schweiz (in Sachen Zollbündnis) an uns mit einer Frage herantrete, worauf wir antworten würden, wir wollen es eigentlich mit der Zollfreiheit versuchen».18 Es geht ihm um die Selbständigkeit Liechtensteins. Ein Zuwarten würde es ermöglichen, die Position Liechtensteins grundlegend zu überdenken. Er begegnet dem Vorwurf, man habe ihn zum «grundsätzlichen Gegner» der Be- strebungen zur Schweiz «aus altösterreichischer Anhänglichkeit» stem- peln wollen, damit, dass seine «zuwartende Haltung» ein Gebot der Vorsicht und des Verantwortungsgefühls gewesen sei. cc) Gegenseitige Kritik Prinz Eduard von Liechtenstein geht mit den Oberrheinischen Nachrichten hart ins Gericht. Sie trügen eine «vollkommene Umorien- tiertheit in den aussenpolitischen Angelegenheiten» zur Schau. Er ver- weist auf die Verhandlungen im österreichischen Aussenamt in Wien. Seine Gesandtschaftsarbeit stehe in voller Übereinstimmung mit den aussenpolitischen Zielen des Fürsten, des Landtagspräsidenten, der Mehrheit des Landtags und der Bevölkerung.183 Die Oberrheinischen Nachrichten beurteilen dies anders. Sie geben ihm zu verstehen, nicht er, sondern die Regierung mache die Aussen- politik. «Mass und Richtschnur» sei die Regierungspolitik in Vaduz, «die selbst wieder auf die politischen Strömungen sich stützen» müsse.18b Das sei eine Forderung der demokratischen, parlamentarisch regierten Monarchie. Anstelle der bestehenden Mauer zwischen Fürst und Land — welche Mauer nun verschwinden soll — dürfe nicht etwa eine neue Mauer treten, wie schon Befürchtungen laut geworden seien. Sie haben den Zeit- und Sachvorteil für sich. Die Volkspartei intensiviert über Geschäftsträger Dr. Emil Beck den Verkehr mit den schweizerischen Behörden. Prinz Eduard von Liechtenstein möchte eine gänzliche poli- tische Abkehr von Österreich verhindern. Er meldet daher gegen eine Öffnung zur benachbarten «republikanischen Schweiz» Bedenken an. 18 Liechtensteins Weg von Österreich zur Schweiz, 205. 18a Schreiben des fürstl. Gesandten Prinz Eduard von Liechtenstein vom 29. November 1919 an Prinz Karl von Liechtenstein, LLA SF Zollsachen 1923/ 304 Reg. ad 8. 18b O.N. Nr. 44, 18. Juni 1919. 91
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.