politisch konservativen Kräfte im Lande war. Ihre nach der Schweiz ausgerichtete Politik für den «kleinen Mann» begründen sie damit, dass der liechtensteinische Arbeiter sich mehr der Schweiz als Österreich zu- wende. Dies läge nicht nur an der besseren Belohnung, sondern auch am Umstände, dass ja Österreich selber «überschüssige» Arbeitskräfte habe und es zudem für einen Ausländer schwer sei, Arbeit zu finden. Zudem mache sich in Österreich der Klassengegensatz zu stark bemerk- bar, wo hingegen das loyale Wesen der Schweiz einen gerne vergessen mache, dass man nur ein ausländischer Proletarier sei.4 Die Ober- rheinischen Nachrichten setzen eine politische Bewegung in Gange, die Prinz Eduard von Liechtenstein mit «Liechtensteins Weg von Österreich zur Schweiz»5 umschrieb. Die Volkspartei verfocht eine auf Verände- rung ausgerichtete Politik auf Staats- und Regierungsebene. Das nach der Schweiz ausgerichtete Verfassungspostulat der «Demokratie» findet im Parteiprogramm Eingang, wenn es von einer «demokratischen Monarchie auf parlamentarischer Grundlage» im Sinne der Worte «Demokratie im Rahmen der Monarchie» spricht.0 Der Staatsaufbau ist in «demokratischem Geiste» zu gestalten. Sie fordert daher eine neue Verfassung. Der geltenden Verfassung von 1862 und insbesondere den Gesetzen und Verordnungen hafte immer noch «mancher Rest aus der Periode des Obrigkeitsstaates» an. Dieser «alte Geist», dem «ein Miss- trauen gegen das Volk, eben weil (Verfassung und Gesetze) noch aus halb absolutistischer Zeit stammend» eigen war, müsse dem «demokra- tischen Geist» weichen.7 Beredten Ausdruck finden diese Demokratie- bestrebungen in den in der neuen Verfassung verankerten Institutionen von Initiative und Referendum. b) Bürgerpartei Die politischen Kräfte um das Liechtensteiner Volksblatt, das grund- sätzlich für die Beibehaltung der bestehenden Ordnung eintritt, verfolgen eine an der Kontinuität der Staatsführung in der monarchischen Staats- ordnung orientierte Politik. Die Bewegung nennt sich Fortschrittliche Bürgerpartei. Sie bekennt sich zur Tradition, die das Liechtensteiner 4 O. N. Nr. 9, 20. Juni 1914. 5 So betitelt er sein Buch, das 1945 im Selbstverlag in Vaduz erschienen ist. 6 O. N. Nr. 3, 18. Januar 1919. 7 O. N. Nr. 6, 5. Februar 1919. 85
        

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