3. Folgerungen aus den Flur- und Ortsnamen hinsichtlich des Landschaftswandels Der Rhein hatte einst unserer Rheintallandschaft ihr Gesicht gege- ben. Die Flur- und Ortsnamen können uns über diese naturräumlichen Verhältnisse orientieren, denn sie wurden von den darin wohnenden und arbeitenden Menschen gegeben. Die überwiegende Mehrheit der in dieser Arbeit behandelten Flurnamen sind allerdings durch den Landschafts- wandel sinnlos geworden. Heute lassen sich viele ehemalige Strukturen erst mit der alten Landkarte und den Flurnamen wieder ablesen, denn durch die Banalisierung der Landschaft ist vieles heute im Gelände nicht mehr verständlich. Der Flurname wird so zum Relikt auf der Landkarte, der von verschwundenen Orten wie vom flurnamengebenden Weiher, von den vielen Bächen, den Krebsen in ihnen, den über- schwemmbaren Auen als Naturelementen erzählt. Verschwunden sind aber auch die traditionellen Elemente der Kulturlandschaft: die Gräben, die Brücken, die Ziehbrunnen, die Schleusen, die vielen Formen der traditionellen Landwirtschaft mit dem Ried, dem Torfstich, dem Hanf- und Flachsanbau, mit den «Roossen». Verblieben sind uns als nicht mehr verständliche Relikte in der durchmeliorierten, regulierten, mo- dernen «Kultur»-Landschaft Flurnamen wie Insel, Schifflände, Lohma, Bruckmähder, Mühlbach oder Lettensteg, die teils selbst in reinstem Neuhochdeutsch im Umfeld der Landschaft nicht mehr zu verstehen sind. Nur noch wenige verbliebene naturnahe Landschaftsteile wie die noch bestehenden Riede im Eschner- und Gampriner Bannriet, St. Ka- tharinenbrunnen in Balzers, wo heute noch ungefasst eine Quelle fliesst, genau gleich wie im Schaaner Schwabbrünnen, lassen als Ausnahme an Ort noch eine Identifizierung mit den Flurnamen zu. Genau gleich wie mit der Mühle in Balzers, wo das Gebäude noch steht oder mit dem Triesner Bad Vogelsang, wo die Grundmauern 1981 restauriert wurden, oder schliesslich der Scheidgraben, der heute noch die beiden histori- schen Landesteile trennen darf. Das Rad der Zeit kann man nicht zurückdrehen. Die Summe der Veränderungen hat aber mit der Aufhebung von typischen Merkmalen der liechtensteinischen Rheintallandschaft ein Mass erreicht, die jed- welche Individualität von dieser Typlandschaft entbindet. Ist dies ein Beitrag zur Entwurzelung der Identifikation mit der Heimat? 209
        

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