Die offizielle Kirche war stets mehr oder weniger gegen diese be- dingten Taufen eingestellt, aber das gläubige Kirchenvolk fand, immer wieder Geistliche, die untröstlichen Eltern von totgeborenen Kindern in ihrem Leid Trost und Beruhigung zu geben bereit waren. Die heutige aufgeklärte Christenheit steht diesem ehemaligen Brauch weitgehend verständnislos gegenüber. Aber man merkt doch, wie ernst das Sakra- ment der Taufe von den Leuten, die vor zweihundert und mehr Jahren lebten, aufgefasst wurde; unsere Vorfahren waren noch viel weniger dieser Erde, dem Materiellen verhaftet, sie glaubten noch bedingungslos an die durch ihre Sakramente wirkende, alleinseligmachende Kirche. Erst die Taufe ermögliche der Menschenseele den Zugang zum Himmel. Theologisch waren unsere Vorfahren mit diesen Taufen sicher auf dem Holzweg; aber der tiefe, bergeversetzende Glaube dieser Leute ist doch bewundernswert. Nur ein so starker Glaube an ein lichteres, besseres Jenseits ermöglichte unseren Vorfahren ein Durchhalten unter manch- mal widrigsten Umständen. Daher ist beim Beurteilen dieser bedingten Taufen ein verständnisvolles Mitfühlen und eine gute Portion Milde am Platze. Die damaligen Eltern fühlten sich vor allem für das Seelenheil ihrer Kinder noch voll verantwortlich. Sicher trug auch die Kirche zum Gedeihen dieses «Unfugs» bei und zwar durch die starke Betonung der Erbschuld, die nach damaliger Auffassung, nur durch die Taufe gelöscht werden konnte. Schon der hl. Augustinus, der grosse, geniale Kirchenlehrer, befasste sich aus- führlich mit dem Schicksal der verstorbenen, ungetauften Kinder. Sie verfallen, so schrieb er, der Feuerstrafe, wenn auch im leichtesten Grade! Wo blieb da die Erlösungstat Christi, mit der er das Tor zum himm- lischen Reich für alle, auch für diese unschuldigen Kinder weit auf- gestossen hat? Heute hat die Theologie diesen sicher zu harten Stand- punkt verlassen und damit ist es auch möglich geworden, diese Frage gelassener zu behandeln. Es ist bemerkenswert, dass im Bewusstsein unseres Volkes sich keine Erinnerung an diese Wallfahrten nach Schruns erhalten hat, weder in Form von mündlichen Überlieferungen, noch in Form von legenden- haften Erzählungen. Das im Gegensatz zur benachbarten Schweiz, wo z.B. Josef Guntern in seinen «Volkserzählungen aus dem Oberwallis» mehrmals auf diese Taufen zu reden kommt. Auch der Luzerner «Geschichtsfreund» greift im Bd. 28, Seite 99 auf diese Angelegenheit 153
        

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