Einer Zuschrift des Schrunser Pfarrers Fuetscher an die Kurie vom 29.7.1786 (Generalvikariats-Archiv) ist zu entnehmen: «dass seit einem Vierteljahre kein solches Kind mehr gebracht worden sei». Die Einstellung des Bistums Konstanz und der Kongregation S. Of- ficii in Rom ist schon früher erwähnt worden. Am 30.9.1782 richtete das bischöflich-geistliche Konsilium von Konstanz an das bischöfliche Offizium in Chur eine Zuschrift des Inhalts: der Konstanzer General- visitation seien anlässlich ihrer Tätigkeit im Oberamt Bregenz (Vorarl- berg gehörte damals noch bis Altach-Hohenems zu Konstanz) ver- schiedene Zeugnisse übergeben worden, wonach viele tote Kinder nach Schruns gebracht und dort bei zweifelhaften Lebenszeichen getauft worden seien. Unter Bezugnahme auf die Constitution Benedikts XIV. in synoda diocesana werde die Abstellung des «hieruntigen Unfugs» empfohlen. Die weltliche Behörde — es war dies ja die Zeit des Josefinismus — kümmerte sich auch immer mehr um diese Schrunser Taufen. Ein Er- lass der Innsbrucker Regierung vom 7.5.1785 an das Vogteiamt Bludenz dringt darauf, dass dieser Unfug, der wider Vernunft, wider unsere Religion und den höchsten Vorschriften — gemeint waren Erlasse des Kaisers Josef II. — zuwider sei, abgestellt werde.^Gleichzeitig wandte sich die Regierung auch an den Bischof von Chur, mit dem Ersuchen, sich über die zur Abstellung tauglichen Mittel zu äussern. Durch das gemeinsame Vorgehen der geistlichen und weltlichen Obrigkeit kamen diese Wallfahrten und die vielgenannten Schrunser Taufen Ende 1785 vollständig zum Stillstand. Pfarrer Fuetscher meldete am 29. Juni 1786 nach Chur, dass alle an diesen Taufen erinnernden Votivtafeln längst weggeräumt seien. Im Jahre 1865 wurde die alte Schrunser Pfarrkirche, in der diese bedingten Taufen gespendet wurden, abgebrochen. Die alten Votiv- tafeln wurden viel früher von Pfarrer Fuetscher auf Geheiss der weltlichen Obrigkeit entfernt und offensichtlich vernichtet, sodass in Schruns heute kaum noch etwas an diese bedingten Taufen erinnert, ausser einer alten Sage, die der Schrunser Arzt Dr. Franz Josef Vonbun im Jahre 1858 erstmals in «Die Sagen Vorarlbergs» veröffentlichte. Ich lasse diese interessante Erzählung in der Fassung, in der sie Dr. Vonbun aufschrieb, hier folgen: 144
        

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