Bei dieser Einstellung der kirchlichen Oberbehörden ist es nun nicht verwunderlich, dass die Eintragung dieser bedingten Taufen in die offi- ziellen Taufbücher meistens unterlassen wurde. Pfarrer Johner schreibt dann auch in seiner schon öfter zitierten Abhandlung: «Für gewöhnlich fällt ein grosses Schweigen oder ein Verschleiern des Tatbestandes in den Kirchenbüchern auf». In privaten Aufschrieben konnte man schon offenherziger sein. So wird in der Pfarrchronik von Erolzheim aus den Jahren zwischen 1680 und 1690 viel von solchen Kindern erzählt, die dorthin gebracht und daselbst getauft wurden, aber kein Kind ist mit Namen genannt. Wie nicht anders zu erwarten, enthalten die amtlichen Tauf- und Sterberegister von Erolzheim keine Einträge über bedingte Taufen toter Kinder. Das Pfarramt Schruns (so fährt Pfarrer Johner fort) hat auf die Bitte, näheres über die von Baindt dahin gebrachten Kinder mitzuteilen, geantwortet: «Namen solcher Kinder bezw. deren Eltern, Tauftag oder Anmerkungen über bedingte Taufen fänden sich weder im Taufbuch noch in der Sterbematrikel vor. Man merkt da ohne weiteres, da ist etwas faul, scheut das Licht, traut dem guten Wetter nicht.» Armin Müller fand dann allerdings in Schruns — wie wir im Abschnitt II noch sehen werden — separate Register in denen diese bedingten Taufen teilweise eingetragen sind. Um abschliessend einen allgemeinen Überblick zu vermitteln, sei hier noch eine Stelle aus dem «Lexikon für Theologie und Kirche» 1964, Band 9, Seite 1322 f. zitiert: > 
«Das christliche Volk betrachtete den Tod eines ungetauften Kindes stets als Unglück. Es entstand die volkstümliche Meinung, das Kind könnte durch die Begierde-Taufe der Mutter für die ewige Seligkeit gerettet werden, und der ma. Wallfahrtsbrauch totgeborene Kinder an einen Gnadenort zu bringen in der frommen Erwartung, dass sie durch die Fürbitte von Heiligen besonders aber der Mutter Gottes, kurze Zeit das Leben erlangen könnten, um getauft zu werden. Dieser Brauch war im 15. Jahrhundert ziemlich weit verbreitet (Frankreich, Schweiz, Süd- Deutschland, Österreich) und erlebte im Barock einen grossen Auf- schwung (besonders Ursberg, wo zwischen 1686 und 1720 rund 24000 derartige Taufen durchgeführt wurden); der zähe Kampf der Kirche und der Fortschritt der Medizin in der Bekämpfung der Kindersterblichkeit setzten diesem Missbrauch im 19. Jahrhundert ein Ende.» 139
        

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