Einleitend möchte ich darlegen, wie ich auf dieses nicht alltägliche Thema gekommen bin. Vor geraumer Zeit — es sind schon bald sechs Jahrzehnte seither ins Land gezogen — las ich eine erschütternde Er- zählung aus dem Süden der Vereinigten Staaten von Amerika. Es war dies eine wahre Geschichte, die sich in den frühen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts dort abgespielt hatte. In wenigen Sätzen sei der wesentliche Inhalt der Erzählung zusammengefasst: Das Kind einer jungen Farmersfrau starb einige Tage nach der Geburt, ohne dass es die Taufe empfangen hatte. Die Mutter des Kindes war untröstlich; sie kam nicht darüber hinweg, dass ihr Kind nicht in den Himmel kommen konnte. Niemand und nichts konnte die junge Frau trösten, sie verlor schlussendlich den Verstand und suchte in ihrer Verwirrtheit den Tod in einem nahegelegenen See. Diese unglückliche Mutter war nicht Katholikin, sondern sie war Mitglied einer der christlichen Freikirchen, deren es in der reformierten Welt so viele gibt. Vom ehemaligen Pfarrer Wendelin Gunz in Tisis, der mir in den späten Zwanzigerjahren das sichere, sozusagen gefahrlose Felsklettern beibrachte, erfuhr ich gelegentlich einer Bergfahrt im Montafon, dass er zur Zeit den «bedingten Taufen» nachforsche, die im 18. Jahrhundert in Schruns vielen totgeborenen Kindern gespendet worden sei. In den alten Taufbüchern seiner Pfarrei seien klare Hinweise zu finden. Auch aus dem Fürstentum Liechtenstein seien tote Kinder nach Schruns ge- tragen worden, damit diese dort nach inständigem Gebete doch noch die Taufe erlangen konnten. Sofort kam mir wieder die vorerwähnte Tragödie in den Sinn, die sich im Süden Amerikas ereignete. Pfarrer Wendelin Gunz hatte die Gabe des leichten Erzählens; er war ein Mann, der vor allem junge Menschen begeistern konnte. Pfarrer Fridolin Tschugmell von Mauren, der eine ähnliche For- schernatur war wie der Zimbapfarrer Wendelin Gunz, stand natürlich mit seinem Nachbarpfarrer Gunz in enger Verbindung und so erfuhr auch er von diesen eigenartigen Schrunser Taufen. Fridolin Tschugmell gab sich in den späteren Jahren intensiv mit der Familienforschung in Liechtenstein ab — eine lange Reihe von Stammbäumen und einige gute Abhandlungen über vergangene Generationen zeugen von seiner verdienstvollen Tätigkeit. Bei dieser Forschungsarbeit lernte er die Tauf-, Ehe- und Totenbücher unserer Pfarreien wie kein Zweiter ken- nen. Er stiess im Verlauf der Jahre auf einige Eintragungen in Tauf- 133
        

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