Der Historiker Heinrich Ritter von Srbik wertet in seinem Buche «Wallensteins Ende» auch dieses Gutachten: «Gewichtigen Eindruck hat bei dem unschlüssigen Monarchen wohl die Meinung jenes charak- tervollen und stolzen, an Bildung, Begabung und Verdienst reichen Staatsmannes ausgeübt, der sich noch im Januar des Vorjahres mit dem Feldherrn in den Friedenstendenzen eines Sinnes gefühlt hatte: Gundackers von Liechtenstein. Er darf als Wortführer einer gemässigten, unparteiischen Mittel- gruppe, der zum baldigen Friedensschluss, auch unter schweren Bedin- gungen zu raten sich nicht scheute, besondere Beachtung beanspruchen. Es kann kein Zufall sein, dass die ganzen Richtlinien, die Ferdinand dann einhielt, in dieser Denkschrift schon vorgezeichnet sind.» Das Ende Genau an dem Tage, an dem Fürst Gundacker seine Denkschrift persönlich dem Kaiser übergab, am 11. Januar 1634, hatte Wallenstein seine hohen Offiziere in Pilsen versammelt und liess sie einen Eid schwören, dass sie ihm und nur ihm allein zu gehorchen haben, was sichtlich gegen den Kaiser gerichtet war. Beim Abschied soll er, schwer krank, noch gerufen haben: «O Fried, o Fried!» Piccolomini (der selbst auch geschworen hatte) berichtete der Majestät, er habe vonn Wallenstein persönlich gehört (was erlogen war), dass er das Haus Habsburg ausrotten und die Länder verteilen wolle. Piccolomini hatte keine persönliche Aussprache mit seinem Ober- befehlshaber ! Nun nehmen die Ereignisse ihren dramatischen Lauf: Am 18. Januar ernannte Kaiser Ferdinand drei Richter aus dem Kreise seiner Geheimen Räte — um den Schein zu wahren nicht Feinde Wallensteins. Das Urteil stand von vornherein fest: Sie waren zu Todesrichtern ausersehen. Graf Max Trautmannsdorff hatte Wallenstein gegenüber eine zwie- spältige Haltung eingenommen. Im November hatte ihm der Feldherr arglos einen Friedensplan vorgelegt, der eine Vereinigung mit den Pro- testanten zur Abwehr der ausländischen Feinde (die er einmal fremde Kujone genannt hatte) vorsah. 105
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.