Im Juli kommt ein Bote des Kaisers zu ihm mit dem «gelinden Auftrag», den Krieg wieder aktiv zu führen — und Wallenstein ver- bittet sich solche Einmischung. Nun beginnt ein verstärktes Kesseltrei- ben am Hofe, angeführt durch Octavio Piccolomini, den er einst seinen besonders guten Freund genannt hatte. Wallenstein war alles eher als ein Menschenkenner, und er musste es erleben, wie unter seinen Offizieren gerade jene, denen er am meisten vertraut hatte, ihn verlassen: Gallas, Aldringen und der Oberst Butler. Sein grösster Fehler aber war es, dass er sieben Jahre lang nicht am Hofe in Wien erschienen war, auch nicht, um sich gegen die Anschuldi- gungen zu rechtfertigen. Sein massloser Stolz und seine Überheblichkeit Hessen es nicht zu. Noch einmal zieht er zum Kriege: Im Oktober kapituliert Steinau, die stärkste Festung, nach einer Stunde, und er zieht weiter bis nach Ostpreussen. Es war sein letzter Sieg. Dann verspricht er, gegen Bernhard von Weimar nach Bayern zu ziehen, tut es aber nicht. Am 26. November erscheint Graf Max Trauttmannsdorff, vom Kaiser gesandt, bei ihm, zum ersten Male mit einem «ernstlich katego- rischen Befehl» der Majestät, die Offensive zu ergreifen und Bayern nicht im Stich zu lassen. Wallenstein weigert sich: Auch zehn Siege können keinen Enderfolg garantieren. Anfangs Dezember bezieht er gegen den ausdrücklichen Willen des Kaisers zum zweiten Male seine Winterquartiere statt in den Ländern des Gegners wieder in Böhmen, also im kaiserlichen Erblande. Er bietet dem Grafen an, den Oberbefehl in Ehren abzugeben, aber es nützt ihm nichts mehr. Der so oft schwankende Herrscher ist entschlossen, ihn vom Oberbefehl abzusetzen. Es geht nur mehr um die Art des Vorge- hens gegen ihn. 96
        

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