Wir dürfen hinzufügen: Welches Leid wäre Europa und besonders dem Deutschen Reiche erspart geblieben (dessen Bevölkerung am Ende des Krieges auf ein Drittel abgesunken war!), wenn man am Wiener Hofe dem Rate des Fürsten Gundacker gefolgt hätte—aber das Gegen- teil war der Fall, denn dort wurde der Einfluss der Kriegspartei immer grösser. Golo Mann weist in seinem Werke «Wallenstein. Eine Biographie» darauf hin, dass ein anschliessendes Gutachten von drei Geheimräten des Kaisers, nämlich des Grafen Max Trauttmannsdorff, des Vize- kanzlers von Stralendorf und des Bischofs Antonius von Wien die Ge- danken des Fürsten Gundacker fast wörtlich übernommen hat mit weni- gen Ausnahmen vielleicht zu hart erscheinender Worte. Sie fanden kein Gehör. Das Unheil nahm seinen Lauf. Golo Mann schliesst seine Be- trachtungen:« Natürlich wussten die Anhänger eines Friedens der Mitte, dass es am Kaiserhofe auch eine gewichtige Kriegspartei gab. Wenn Wallenstein (der schon sechs Jahre nicht am Kaiserhof erschienen war) sich an die Spitze der Friedensfreunde gestellt hätte, er hätte diese Partei zur eindeutig stärkeren gemacht.» Denkschrift des Fürsten Gundacker von Liechtenstein an Graf Maximilian von Trauttmannsdorff, Kaiserlicher Geheimer Rat. Original im Trauttmannsdorffschen Familienarchiv mit dem Vermerk: «Gutachtliche Meinung des Fürsten Liechtenstein über den Frieden.» Krummau, 26. Januar 1633 Hoch- und Wohlgeborener Graf. Weil ich mit dem Herrn von folgender Materie nicht mündlich konfe- rieren konnte, so geschieht es hiemit schriftlich, aus dem Vertrauen, das ich zu ihm habe und aus dem Bestreben, Ihrer Kaiserlichen Majestät Dienst und die allgemeine Wohlfahrt zu fördern. Ich setze voraus, dass dieser Krieg zwischen Christen sei und dass man daher, wenn man auch wenig tun kann, auch mit ziemlicher Unge- legenheit denselben vermitteln soll, und das so viel mehr darum, weil dadurch die Christenheit, insonderheit in Deutschalnd, erschöpft und 91
        

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