ihn die Majestät zu einer Sitzung nach Prag einlud, entschuldigte sich Gundacker, er habe auf seinen Gütern zu tun, die durch den Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen seien, was darauf schliessen lässt, dass er beleidigt war. Seinem Bruder Maximilian schreibt er: «Spanische Bräuche gehen uns in Deutschland und an des deutschen Kaisers Hof nichts an» — ein Hinweis auf das Hofzeremoniell. Dem Kaiser gegen- über wies er auf 27 Jahre treue Dienste hin und beklagte sich: «Es schreien ihrer viele, ich wolle reformieren — schimpfliche Stimmen im Herzen und den Ohren des Kaisers.» Allmählich fiel er beim Kaiser in Ungnade. Die Auseinandersetzun- gen gingen schon auf das Jahr 1623 zurück, in dem Gundacker in den Fürstenstand erhoben wurde, worauf er erwartete, dass ihm das Präsi- dium im Geheimen Rate übertragen werde. Er war äusserst standes- bewusst und überempfindlich, wie aus einem umfangreichen Faszikel im fürstlichen Archive zu entnehmen ist, das den Titel trägt: «Rangstreit im Geheimen Rat.» Im Jahre 1625 reichte Gundacker, der Schwierigkeiten im Amte und auch mit den Beamten sowie der Kompetenzeinmischung müde, seine Demission ein, die von Kaiser Ferdinand II. angenommen wurde. Nach der Abschiedsaudienz äusserte sich der Kaiser zu Mitarbeitern: «Der Fürst von Liechtenstein ist ein frommer, ehrbarer Mann, aber in diesem Amte haben wir keine Köpfe zusammen gehabt.» Golo Mann ist der Ansicht, Gundacker sei durch den Fürsten Eggenberg, damals noch das Haupt der Friedländischen Partei, vom Platze des Geheimratspräsidenten vertrieben worden. Den Unmut der Majestät hat ihm sicher auch der sehr offene, am Wiener Hofe ganz ungewohnte Ton seiner Meinungsäusserungen zuge- zogen. Ein Beispiel dafür: In einem «Gutachten zur türkischen Frage» erklärt er dem Kaiser, der mit einem zu errichtenden Bündnis einen Krieg gegen die Türken eröffnen wollte, dass er dazu keineswegs in der Lage sein könne. Das Einkommen Habsburgs sei durch den Krieg ge- mindert, die Schulden seien gewachsen und sogar jeder Kredit sei ver- loren. Er werde in diesem Falle noch um Land und Leute kommen. Ausserdem sei das Militär in Verwirrung und Disziplinlosigkeit. Solche Gradlinigkeit vertrug der eher an Schmeicheleien gewohnte Kaiser nicht, obwohl er hätte erkennen müssen, dass der Fürst immer das Wohl des Reiches und des Hauses Habsburg im Auge hatte. 83
        

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