Der Lehrbrief für den Bildhauer Johann Bün Am 21. Mai 1645 gab die «Brüderschafft der Bildthauer und Maller in der Fürstl. Haubtstatt Grätz» dem «tugentsamen Jüngling Johannes Bün aus der Neustatt in Österreich gebürtig» einen Lehrbrief, in dem sie bezeugte, dass Bün von 1639 —1645 beim kunstreichen Herrn Sebastian E r 1 a c h e r die Kunst der Bildhauerei erlernt habe. Die genannte Bruderschaft, die auch unter dem Namen «Maler-Confrater- nität» bekannt wurde, ersuchte alle Bildhauer und Liebhaber dieser Kunst, den Johannes Bün als ehrlichen und redlichen Bildhauer anzu- erkennen. Die schöngeschriebene Urkunde mit dem Siegel der Bruder- schaft beweist heute noch die Bedeutung eines solchen Lehrbriefes.4 Eine Anfrage in Wiener-Neustadt, womit wohl «Neustatt in Öster- reich» gemeint war, ergab, dass dort der Name Bin oder Bün in Matri- ken und Urkunden nicht zu finden war. Ein nachträglicher Vermerk5 aus späterer Zeit in den Feldkircher Matriken, dass Bin von Wien ge- wesen sei, bezieht sich wohl auf Wiener Neustadt. An einer anderen Stelle heisst es, dass er von Graz gekommen sei, was ja laut Lehrbrief richtig ist. Vielleicht kann diese Arbeit dazu beitragen, die Herkunft genau zu bestimmen. Es ist auch nicht bekannt, wann Johann Bin nach Feldkirch gekommen ist. Die Ratsprotokolle reichen nicht so weit zu- rück. War das schon 1645 oder bald danach? Im Jahre 1655 hat er hier die Bürgerstochter Anna Maria Schenk geheiratet. Wahrscheinlich hat Bin damals um das Bürgerrecht angesucht. Das hat sicher längere Zeit gedauert, weil die Hammerzunft, zu der in Feldkirch die Bildhauer und Maler gehörten, dagegen Einspruch erhoben haben wird.6 Sein Lehr- brief kam erst 1673 vor den Stadtrat, wie auf der Rückseite der Urkunde zu lesen ist. In den Mitgliederverzeichnissen dieser Zunft ist der Name Bin nicht zu finden. Eine Urkunde vom 1. Juli 1691 beweist aber, dass Johann Bin Bürger von Feldkirch geworden ist. Er hatte aber hier ver- mutlich dieselben Schwierigkeiten wie sein Lehrherr Erlacher in Graz. 4 STAF, Orig.-Perg.-Urkunde Nr. 855, 21. Mai 1645. 5 Frau Archivdirektor Dr. Gertrude Gerharcltl, Wiener-Neustadt, danke ich für mündliche und schriftliche Auskunft. Poeschel, E., Die Werke des Bildhauers E. Kern, JBL 1948, S. 76, Anm. 6 STAF, Register der Grosshammerzunft, früher Hammerzunft. STAF, Hds. 190, fol. 72, Lehrbrief für Johannes Miller von Feldkirch. 61
        

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