oder Spätmittelalter hin. Damit kann jede Beziehung der Kapelle zu einer der beiden Burgen auf Schellenberg ausgeschlossen werden. Es liegen auch keine Hinweise—weder urkundliche noch archäologische— vor, welche den Kapellenbau mit einer herrschaftlichen Familie aus dem niederen Adel oder kirchlichen Organisationen in Zusammenhang brachten. Vielmehr scheint der Bau des kleinen Gotteshauses den spon- tanen religiösen Bedürfnissen einiger Familien im entlegenen Hinter- Schellenberg entsprochen zu haben. Der weite Kirchweg nach Bendern, zu welcher Pfarrei das gesamte Gemeindegebiet von Schellenberg bis 1874 gehörte (formell sogar bis 1881), konnte nach dem Bau der Ka- pelle den Gläubigen bisweilen erspart bleiben. Damit dürfte die These von Erwin Poeschel, wonach die Kapelle «von jeher der Gemeinde» gehörte, und es daher unwahrscheinlich sei, «dass sie zur Burg in näherer Beziehung stand», sich durchgesetzt haben. Poeschels Meinung müsste nach der heutigen Erkenntnislage dahin modifiziert werden, dass die Kapelle anfänglich nicht im Besitz der Ge- meinde, sondern vielmehr im Besitz einiger weniger in unmittelbarer Nähe der Kapelle lebender Familien war, wie auch die Erbauung der Marienkapelle in Mittel-Schellenberg in den Jahren 1855/58 eine rein private Angelegenheit war. Neubau der Kapelle im 19. Jahrhundert Wenn man die Bevölkerungsbewegung der Gemeinde Schellenberg in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts betrachtet, so bemerkt man grosse Veränderungen: die Einwohnerzahl nahm seit 1806, als sie 249 Seelen betrug, bis 1858 um 61 Personen (310) zu. Im gleichen Zeitraum sind nur zwei neue Häuser zum alten Bestand zugebaut worden: 53 Wohn- häuser um 1806 zu 55 Giebel um 1858.14 Anders aber gestalteten sich die Verhältnisse im Umkreis der kirchlichen Bauten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts sind in der kleinen Gemeinde zahlreiche kirchliche Bauten geplant, begonnen und errichtet worden. Die Gemeinde mit 310 Einwohnern wollte bald Pfarrei werden. Es musste zwischen den Bewohnern der Häusergruppen Mittel-Schellen- berg und Hinter-Schellenberg zu Spannungen wegen der Zentrums- 14 Alois Ospelt, Wirtschaftsgeschichte des Fürstentums Liechtenstein im 19. Jahr- hundert, JBL 1974, Anhang 41, 45. 45
        

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