Epoche beschränkt sei, so dass beim Fehlen anderer bestimmter An- haltspunkte eine genauere Datierung der Erbauungszeit nicht möglich erscheine.10 Die Untersuchungen haben nun einige Anhaltspunkte geliefert, welche eine Grobdatierung der Bauzeit der Kapelle I ermöglichen, be- sonders wenn man dabei auch die Ausstattungsgegenstände in die Über- legungen einbezieht. Die beiden in der Nordostwand der Kapelle frei- gelegten Fenster, welche, wie geschildert, zum Erstbau gehörten, sowie der Mauercharakter der ersten Kapelle lassen die Erbauungszeit nicht vor 1650 ansetzen. Demnach wird man nicht fehlgehen, wenn man im Blick auf die architektonischen Merkmale die Bauzeit der Kapelle St. Georg I in die Jahre nach 1650 bis etwa 1750 datiert. Die flachen Stichbogen bei den Fenstern verweisen in unserer Gegend meines Er- achtens die Entstehungszeit der Kapelle in das beginnende oder sogar in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Doch wie verhält es sich mit den Ausstattungsgegenständen und der liturgischen Gerätschaft im Blick auf die Datierung des Erstbaues? Als grösstes Objekt bietet sich der Altar (2.52 m x 2.10 m) an. Auf einer dunklen Predellafront mit Inschrift stehen zwei geschwärzte Säulenpaare mit korinthischen Kapitellen, ein Rahmenwerk eines verlorenen Altar- blattes flankierend; der aufliegende, verkröpfte Architrav bildet schon den oberen Abschluss des Retabels. So ist der Altaraufbau nur ein Torso. Es fehlt ganz offensichtlich die Bekrönung. Unter der hellblauen Bemalung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts deckte der Restaurator 10 Erwin Poeschel, a. a. O., 277 f. Eine ähnliche Grundrissform wie in Schellen- berg weist z. B. St. Peter in Karnburg (Bistum Salzburg) aus dem 9. Jahr- hundert auf. (Vgl. Vorromanische Kirchenbauten, hrsg. Friedrich Oswald, Leo Schaefer, Hans R. Sennhauser, 2. Lief. 1968, 134.) Weitere Beispiele: St. Ulrich in Krozingen (Bistum Konstanz) um 1000 (vgl. den erwähnten Katalog der Denkmäler, 2. Lief., 165); St. Proklus in Naturns (Bistum Chur), karolingischer Ursprung (vgl. obigen Katalog, 230). Abgeschrägte, ungestelzte Chorpartien am rechteckigen Schiff sind über Jahrhunderte ein beliebtes Bau- schema, so etwa in nächster Nähe von St. Georg in Schellenberg die hl. Kreuz- Kapelle in der Kehr in Feldkirch aus dem Jahre 1380 (vgl. Dagobert Frey, Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Feldkirch, 1958, 186, Abb. 132). Die St. Georg in Schellenberg nächstgelegene verwandte Grundrissform weist die Kapelle «St. Maria zum Trost» in Dux, Schaan, auf (um 1716). Poeschel, a. a. O., 98 ff., Abb. 81. 35
        

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