Hess er eine Kathedrale nach dem karolingischen Schema der Saalkirche mit drei Apsiden errichten. Einige noch erhaltene Marmortafeln und viele Bruchstücke weisen auf einen reichen plastischen Schmuck hin: Erinnerungen an Aquileia und Grado drängen sich auf. Das zehnte Jahrhundert bescherte den Churer Bischöfen enorme kaiserliche Schenkungen, Güter und Privilegien; dafür standen die geistlichen Herrn auch treu zu den Kaisern, boten ihnen Herberge und Geleit über die wichtigen Alpenpässe. Bischof Hartbert I. hatte als Freund und Vertrauter Ottos 1. bereits um 950 einen fürstlichen Rang inne; das Palatinatsdiplom gewährte Friedrich Barbarossa 1170, wo- nach die Churer Fürsten im Rang jener von Münster, Lüttich und Osnabrück standen! Die neue Ehr' rief auch nach imposanter Wehr! Auf dem Hof wur- den Türme erhöht und neue gebaut, die zum Teil heute noch stehen. Wesentlich denkwürdiger war der Entschluss, wie andernort eine mäch- tige Kathedrale als hehre Gottesburg aufzurichten. Nach 1150 wurde die Arbeit begonnen, und mit Unterbrechungen dauerte sie bis zur Schluss- weihe 1272, dem Todesjahr des Bischofs Heinrich III. von Montfort. Von weither waren hier Werkleute vorbeigezogen; sie hinterliessen ihre Spuren, aber auch Kunstwerke von europäischem Rang. Alle folgenden Epochen trugen ihren Teil zur Ausstattung der Mut- terkirche des Bistums bei; unbedingt zu erwähnen ist unser Bischof Ortlieb von Brandis mit dem auf Schweizergebiet einzigartigen gotischen Hochaltar, dem Sakramentshäuschen und seinem Marmorsarkophag, wo das Porträt als das älteste lebensnahe in unserem Gebiet betrachtet wird. In den meisten Bischofsstädten kam es zu Spannungen zwischen den geistlichen Fürsten und dem erwachenden Bürgertum. In Chur, wo sich die Strassen kreuzten, war man über auswärtige Freiheitsbestrebungen informiert. Fazit: Wir auch! So gelang es mehr und mehr Zugeständ- nisse, Rechte und Kompetenzen einzuhandeln: Eigenes Siegel, Rathaus, Kaufhaus, Zunftordnung ... Landesfremde Adelige fanden als Bischöfe nur schwer den Zugang zur einheimischen Mentalität; die Residenz war auch nicht sonderlich attraktiv, die Gnädigen Herren weilten lieber am Kaiserhof und an be- freundeten Höfen statt auf ihrem Hof zu Chur, wo der vielen lästige Föhn schon damals blies . . . 276
        

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