Das Thema Diese Arbeit behandelt ein erschütterndes und ganz unbekanntes Kapitel unserer Geschichte, denn es ist bisher nirgends niedergelegt, dass sich eine riesige Zahl von jungen Männern anwerben Hess, um als Reisläufer zu dienen. Das Wort stammt aus dem allgemeinen Be- griffe «reisen» und hat seit dem ausgehenden Mittelalter die Neben- bedeutung «in fremde Militärdienste oder in den Krieg ziehen» an- genommen. Wir müssen uns die Armut vorstellen, in der unsere Vorfahren ge- lebt haben! Eine Kleinbauernfamilie mit mehreren Kindern konnte ihren Söhnen keine Existenz bieten, gab es doch auch keine Möglich- keit, ein Gewerbe zu betreiben. In dieser verzweifelten Lage blieb vielen nichts anderes übrig, als sich anwerben zu lassen. Als längst Nachrichten vom Tode vieler Landsleute in die Heimat gelangt wa- ren, riss er Zustrom zum Söldnerdienst nicht ab. Man erhielt ein Taggeld ungefähr in Höhe eines Hilfsarbeiters und dazu Kost und Quartier - und fiel der Familie nicht zur Last. Landauf und landab zogen die Werber und suchten «unter Trom- melrühren» gewissermassen ihre Kundschaft zu gewinnen, tauchten vor allem bei Jahrmärkten und Festen und in Wirtshäusern auf, wo immer junge Leute zu finden waren, versprachen ihnen das Blaue vom Himmel und gaben reichlich Handgeld - und schon waren ihre Opfer sozusagen Gefangene des Regiments. Sicher war es auch die Abenteuerlust der Jugend, mit der sie spekulierten. Die Werber hat- ten einen einträglichen Beruf, denn die Prämien flössen für sie sehr reichlich. Aus den Totenlisten ist erkennbar, dass sich in den Dörfern mei- stens Gruppen von jungen Leuten zusammentaten, um im harten Dienst nicht allein und verlassen zu sein, so zum Beispiel Triesner im 17. Jahrhundert, Schaaner in ein 1733 aufgestelltes Regiment und Balzner anschliessend daran, beide für Dienste in Italien. Es folgten Fussmärsche zu den Einsatzorten, manchmal drei oder vier Wochen lang und so voll von Strapazen, so dass einzelne ihnen nicht gewachsen waren und dabei schon starben. Auch sonst lauerten Gefahren. Grosses Aufsehen erregte ein Flossunfall im Jahre 1755 im Rhein bei Balzers, bei dem ein Grau- 10
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.