Hier spielt aber plötzlich auch die kurze Kette eine gewisse Rolle. Einerseits ist nicht nur die Tatsache, dass auch an verschiedenen ande- ren Bronzeobjekten aus dem Alpenrheintal immer wieder ähnliche Kettchen angetroffen werden, auffällig — dabei handelt es sich um ein nadelähnliches Gehänge vom Krüppel (Beck 1965, Abb. 27, 9), ein punzbuckelverziertes Blech vom Montlingerberg (Frei 1955/56, Abb. 5, 38 + Tf. 54, 28) sowie mehrere ähnliche Stücke vom Gutenberg (Hild 1932, Abb. 7, 4 ff; Hild + v. Merhart 1933, Tf. V) — andererseits stellt es offensichtlich eine Schmucksitte des Nordalpenfusses dar, Fibelpaare mittels Kettchen zusammenzuhalten. Dies lässt sich beson- ders im Gräberfeld von Hallein beobachten (Penninger 1972), wobei nicht nur Frühlatenefibeln sondern eben auch Certosafibeln mit Gliederkettchen versehen sind (z. B. Grab 1/2; Grab 10/1; Gräber 39/3 39/5; Grab 55/2). Die Fibeln ihrerseits variieren in Form und Grösse, sind aber allesamt in die Phase La-Tene A zu datieren. Dies zeigt aber auch, dass die verschiedensten Formen fast gleichzeitig getragen worden sind und wie weit ein solches Spektrum überhaupt sein kann. Ohne Kettchen laufen die jüngeren Formen der Certosafibel in Hallein noch weiter (Pauli 1978, S. 105/106). Wir haben ja eingangs festgestellt, dass man zur Anbringung der Kette an der Fibel herumfeilen musste. So liegt es wohl auf der Hand, dass das Stück vom Krüppel ehemals zu einem mit Kettchen verbundenen Fibelpaar gehört hat, das die Kleidung seines/seiner Besitzers/Besitzerin zusammengehalten hat und zierte. Es ist leider nicht möglich festzustellen, ob es sich um eine männliche oder weibliche Trägerschaft handelte, da — nach den Grabbeigaben im Tessin zu schliessen die Certosafibel von beiden Geschlechtern getragen wurde. Meinen besten Dank möchte ich Herrn F. Maxer, Liechtensteinisches Landesmuseum Vaduz, und Frau Dr .1. Grüninger, Historisches Museum St. Gallen, aussprechen, die es mir ermöglicht haben, die Funde im Ori- ginal zu studieren. Die Fotos wurden von Herrn Känel, Schweizerisches Landesmuseum, angefertigt. Jakob Bill 219
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.