dann im August tatsächlich von einem Hirten gesehen wurde. In den Jahren 1868 — 69 richtete dann der Bär im Alpgebiet von Nenzing grossen Schaden unter den Ziegen- und Schafherden an. Das Raubtier, das zuerst im Brandnertal sein Unwesen trieb (Vorarlberger Volksblatt v. 26. 5. 1868, Nr. 42, S. 2—3), konnte oft gesichtet werden und wurde mehrmals bejagt. Doch obwohl 200 Gulden Schussgeld ausgesetzt wur- den, konnte es nie erlegt werden (Vorarlberger Volksblatt, 16. 6. 1868, Nr. 48, S. 3 und 3. 9. 1868, Nr. 7, S. 429). Im Jahre 1869 hielt sich der Bär hauptsächlich im Gebiet des Nenzingerberges auf, wo sofort eine grossangelegte Jagd veranstaltet wurde (Feldkircher Zeitung 26. 5.1869, 9. Jg., Nr. 42, S. 166). Eine Treibjagd führte auch ins Saminatal (13). Alle Ereignisse um diesen Bären hat Prof. Anton Ender in der Jugend- zeitschrift «Raphael» anschaulich und lebendig beschrieben (14). Noch einmal wurde Ende September 1870 der Bär aufgespürt (Vorarlberger Volksblatt, 30. 9. 1870, Nr. 78, S. 513). Nach dem Winter fand man keine Spur mehr von ihmm. Neun Jahre später, im Juli 1879 wurde eine «Heimstkuh» auf der Alp Valscherina von einem Bären derart ange- fallen, dass sie notgeschlachtet werden musste (Vorarlberger Volksblatt, 29. 7. 1879, Nr. 60, S. 494). Die letzte sichere Beobachtung aus Liechtenstein datiert vom 2. Juni 1888, wo Karl Blodig (15) beim Garsellikopf im Dreischwestern-Massiv die Spuren einer Bärin mit einem Jungtier sah. Die Bärin soll vier Tage später im Fläscher Tälchen beim Falknis erlegt worden sein. Am 25. Juni 1889 glaubte ein Tourist beim Lünersee einem Bären begegnet zu sein (Mitteilungen des Deutschen- und Österreichischen Alpenvereins 1889, Nr. 13, S. 162). Im Herbst 1892 streifte tatsächlich ein Bär im Nenzinger Gebiet umher. Er soll auch im Saminatal gesehen worden sein (13). Damals wurden auf der Ochsenalp die Überreste von fünf gerissenen Schafen gefunden (Vorarlberger Volksblatt, 25. 9. 1892, Nr. 219, S. 1207). Der Bär entging jedoch allen Nachstellungen, wobei vermutet wurde, dass er nach Graubünden überwechselte. In der Schweiz konnte der letzte Bär im Unterengadin, im Gelände des heutigen Nationalparkes, dank stän- diger Zuwanderung aus dem Südtirol, erst 1904 erlegt werden. 204
        

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