EINLEITUNG I. ZUM BEGRIFF HAUSRECHT Ein Kennzeichen des spateren Mittelalters war die Rechtszersplitte- rung,1 namentlich in den heute dem Privatrecht zugeordneten Bereichen. Die schwache Zentralgewalt2 und die mangelnde Gesetzgebung im Reich'5 führten zur Bildung eines «Privatrechts» in engeren Verbänden (Territorien, Städten, Herrschaften, Genossenschaften), «denen allen nach der mittelalterlichen Ordnung ein Selbstgesetzgebungs-, ein Sat- zungsrecht für ihre Kreise zustand»4. Solche «Rechtskreise innerhalb des deutschen Privatrechts»5 konn- ten auch die Familien des Herrenstandes bilden, da ihnen ein solches Satzungsrecht (sog. autonomische Satzung) im Bereiche der Familien- angelegenheiten, also insbesondere im Erb-, Familien- und Güterrecht" vom Reich zuerkannt wurde. Im Rahmen dieses adligen Sonderrechtes entstanden spezifische Rechtsinstitute, die dazu dienten, Glanz und Ansehen des Hauses (splendor familiae)7 zu wahren, die Hausmacht zu stärken.8 Vor allem galt es, das unselige deutschrechtliche Teilungsprinzip9 durch geeignete Regelungen im Bereiche des Erbrechts zu überwinden, insbesondere durch die Einführung der Grundsätze der Unteilbarkeit und Individual- sukzession, letztere meist in Form der Primogeniturerbfolge. Die im 14. Jahrhundert sich anbahnende Landeshoheit bei den reichsständischen Familien10 vermag das Entstehen von Hausrecht nicht 1 Mitteis-Lieberich, 7. 2 Mitteis-Lieberich, aaO. 3 Beseler, 2. Teil, 2. Band, 12. 4 Hübner, 6. 5 Hübner, 4. 6 Ulshöfer, Zollern, 19. 7 Ulshöfer, Zollern, aaO. und dort zitierte Literatur. 8 Schulze, Fürstenrecht, 1356; die knappe Abhandlung bietet einen vorzügli- chen Überblick über das Thema. 9 Beseler, 2. Teil, 2. Band, 7: «... im Allgemeinen muss sonst für gleich nahe Erben die Regel gegolten haben, die fast alle Volksrechte bei ihren Succes- sionsordnungen voraussetzen, . . . , nämlich die gleiche Berechtigung und Theilung». Vgl. auch Rauh, Band I, 10. 10 Schulze, Fürstenrecht, 1356. 8
        

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