Endlich wird die Lösung gefunden: Vom Vaduzer Kaufpreis sollen die Schulden bezahlt und vom Reste eine andere Herrschaft gekauft werden. Es war die Herrschaft Bistry in Böhmen, weit ertragreicher als Vaduz und Schellenberg zusammen. In dieser Zeit war dem Fürsten von Liechtenstein die Geduld ausge- gangen, und er dachte an den Verkauf von Schellenberg und die Erwer- bung entweder von Mindelheim oder einer Besitzung des Stiftes Kempten! Noch gibt es ungeregelte Fragen, aber jetzt drängt der Kaiser den Fürsten, ihm den Kaufbetrag von 290000 Gulden sofort zu zahlen — aber dieser lässt sich Zeit und erklärt der Majestät, er habe das Bargeld gerade jetzt nicht zur Verfügung, «da ich absonderlich erst vor wenigen Tagen Euerer Kaiserlichen Majestät alleruntertänigsten Diensten eine Summa von fünfmalhunderttausend Gulden vorgeschossen habe.» Heuchlerisch wendet sich der Graf von Hohenems, der grosse Schul- denmacher, an den Kaiser: Durch das lange Hinausziehen des Kaufes seien viele hundert Creditores in kläglichste Not an Leib und Seel gera- ten, und der Kaiser möge sich der durch den Käufer zugrund gerichteten armen Parteien mitleidigst erbarmen — er hat die Unverfrorenheit, dem Fürsten von Liechtenstein die Schuld zuzuschieben! Am 22. Februar 1712 wird der Kaufvertrag über Vaduz beim Reichs- hofrat unterzeichnet. Fürstabt Rupert schickt den Kanzler Jodoc von Blömegen zur Übergabe der Grafschaft nach Vaduz. Am Tage der Huldigung erscheint ein Vertreter der Graubündner Gläubiger und er- klärt, am nächsten Gerichtstag werde die Exekution gegen die Vaduzer Untertanen stattfinden. Der Kanzler schickt einen Diener nach Kempten, lässt dort sein Privatvermögen abholen und schüttelt, wie er berichtet, 7000 Gulden «dem drängenden Bündner in den offen gehaltenen Sack!» Jodoc von Blömigen hat seinen Auftrag, vom Fürstabt erhalten, dass er «in ihro kaiserlichen Majestät allerhöchstem und unserem Namen gedachte Übergab in das Werk richten und hiebei alles, was dem kaiserlichen allergnädigsten Befehle gemäss ist, vollziehen solle und möge», getreulich erfüllt. Im letzten Schreiben Kaiser Karl VI. an den Fürstabt stehen fol- gende Sätze: 200
        

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