1688 kam zwar ein Vergleich zwischen dem Grafen und seinen Untertanen zustande, der die beidseitigen finanziellen Verpflichtungen regeln sollte, aber der Landesherr dachte nicht daran, ihn zu erfüllen und konnte es auch nicht, denn die Schuldenlast mehrte sich in immer schneller werdendem Anstiege. Die Bewohner des Landes mussten Bürgschaften für den Grafen übernehmen, und die Gläubiger drohten immer wieder mit Exekutionen. Die Lage war verhängnisvoll geworden. 1691 wandten sich «Landamann, Gericht und gemeine Landschaft» direkt an die Majestät mit einer Klage gegen Jakob Hannibal, und der Kaiser ordnete eine Untersuchung an. Sie fiel so aus, dass eine Zwangs- verwaltung über Vaduz und Schellenberg eingesetzt und dem Grafen jedes Verfügungsrecht entzogen wurde. Ein Jahr später wurden Fürstabt Rupert von Kempten und Bischof Franz Johann von Konstanz zu Administratoren ernannt, aber der Bi- schof trat 1696 vom Amte zurück, das er von Anfang an seinem Kolle- gen überlassen hatte. Schon im gleichen Jahre ergeht ein Hilferuf der Untertanen nach Kempten: «Wir setzen unseren einzigen und letzten Trost allein auf Euere hochfürstliche Gnaden in Hoffnung, dieselben werden unseren miserablen Stand dergestalten beherzigen, dass sie den armen, gleichsam in letzten Zügen unseres vor Augen stehenden totalen Ruins liegenden Untertanen dero starke hilfreiche Hand reichen, damit wir nicht fremder Schulden willen von Haus und Hof vertrieben und als arme Waisen ins bitterste Elend gestossen werden», und in gleichem Sinne schreiben die Seelsorger der Grafschaft Vaduz, «das Gemüt mit Kummer, die Augen mit Tränen angefüllt» an den Kaiserhof. Der Kommission war es einfach unmöglich, der ungeheuren Schul- denlast Herr zu werden, reichten doch die jährlichen Bruttoeinkünfte von etwa 7000 Gulden bei weitem nicht zur Verzinsung allein. Die De- legierten berichten einmal: Wer aus Steinen kein Gold schlagen und aus den Bergen kein Gold graben kann, der wird Vaduz nicht helfen können. Rupert von Bodman, vom Grafen durch Geldforderungen ge- reizt, erklärte, er habe die Kommission überhaupt nur übernommen, um dem Lande zu helfen, dessen Einkünfte nur ein «bettelhaftig Wesen» seien. Nun gingen die Delegierten daran, die gesamten Schulden aufzu- nehmen, und es kam Unerhörtes zutage: Hatte sich Jakob Hannibal in 194
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.