ersuchen ihn, ihnen Gewalt zu geben, das Übel zu strafen und zu unter- drücken. Der Landesherr gab dem Drängen nur allzu willig nach, kon- fiszierte er ja den Besitz der Opfer. Nun nehmen Angeberei und Hass in den Gemeinden, der Nachbarschaft und der Verwandschaft furchtbare Formen an. Kaum eine Familie bleibt verschont, und das Land kommt als «Hexenland» in den übelsten Ruf. Etwa hundert Menschen sollen in der ersten Verfolgungswelle hingerichtet worden sein. Eine Sage lässt erkennen, wie im Volke das unerhörte Unrecht doch allmählich erkannt wurde. Die Denunzianten (bei uns «Brenner» ge- nannt), müssen «nicht gut genug für die Hölle mit ihren Nachkommen bis ins neunte Glied in der unwegsamsten Schlucht des Gebirges an steinernen Tischen sitzen, stumm und starr, denn ihr Herz war auch hart wie Stein, und ihr Lügenmund bleibt geschlossen bis zum Jüngsten Ge- richt. Es sind die Tobelhocker.» Im Jahre 1679 unternehmen «der Clerus und die gesamte Land- schaft mit Beistand der Feldkircher österreichischen Beamten» einen Vorstoss: Sie wenden sich an den Landesherrn, den Grafen Ferdinand Carl Franz von Hohenems, und ersuchen um Übersendung der Prozess- akten an eine Universität, damit durch ein Rechtsgutachten die Führung der Prozesse überprüft werde. Der Weg war grundfalsch, wie sich bald zeigte: Der Graf denkt nicht an eine Untersuchung, hatte auch er sich doch am Besitze der Hingerichteten schamlos bereichert. Er weigert sich und begründet es mit dem Argument, dass dadurch sein Ansehen auf das gröblichste verletzt werde, und übrigens denke er nicht an die Rück- gabe der Beschlagnahmungen. Einen eindrücklichen Erfolg und Schuldbeweis hat die Eingabe doch. Der Landvogt flieht, vom schlechten Gewissen gejagt, bei Nacht und unter Hinterlassung seiner Familie in die Freistatt nach Chur, wo er durch das Asylrecht geschützt und dem Arm der Gerechtigkeit nicht erreichbar war. Nun kommt der Stein endgültig ins Rollen: Am 17. Dezember 1680 wendet sich Pfarrer Kriss aus Triesen mit fünf Untertanen, die nach Vorarlberg geflohen waren, an die für die österreichischen Vorlande zu- ständige Oberösterreichische Regierung in Innsbruck, und sie beklagen sich über die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten der Hexenprozesse. Sofort ergeht von dort ein Befehl auf Untersuchung an die Beamten in Feldkirch, und diese bestätigen in einem Schreiben an die «hoch- und 189
        

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