In der Reihe unserer Landesherren wird gewöhnlich ein Mann nicht aufgeführt, der für unsere Geschichte von überragender Bedeutung ge- wesen ist, Fürstabt Rupert von Kempten. Zweimal hat er diese Funktion ausgeübt, von 1683 bis 1686, als Graf Ferdinand Carl von Hohenems vom Kaiser abgesetzt worden war, und von 1692 bis 1712 für den gleichfalls entmachteten Grafen Hannibal III. Im Jahre 1693 wurden unsere Vorfahren auf den Fürstabt vereidigt, der damit nicht nur prak- tisch, sondern auch von Rechts wegen landesherrliche Funktionen aus- übte. Am 10. November 1978 hat sich sein Todestag zum zweihundert- fünfzigsten Male gejährt, was uns ein wohlberechtigter Anlass sein darf, ein Bild von seinem Leben und Wirken zu entwerfen. Rupert von Bodman als Fürstabt in Kempten Rupert von Bodman, dessen offizieller Titel lautete «Des Heiligen Römischen Reiches Fürst und Abt zu Kempten, der Römischen Kaise- rin Erzmarschall» stammte aus einem seit der Mitte des 12. Jahrhun- derts nachgewiesenen Reichsrittergeschlecht, das heute noch in den Grafen von Bodman weiterlebt. Das Stammschloss ist am Uberlinger See gelegen, wo die alte karolingische Pfalz gestanden hat, die im Mittel- alter dem «lacus bodanus», dem Bodensee, den Namen gegeben hat. Er wurde 1646 geboren. Am Gymnasium Konstanz sprachen die Lehrer noch lange von der Gelehrsamkeit und Frömmigkeit des ehema- ligen Schülers, der dann an den Universitäten Strassburg, Salzburg und Padua studierte und schon in jungen Jahren ein weltgewandter Mann gewesen ist, der fliessend Französisch, Italienisch, Spanisch und selbst- verständlich auch Latein beherrschte. 1678 wurde er, erst 32 Jahre alt, zum Abte des Reichsstiftes Kemp- ten gewählt, dem er durch volle 50 Jahre vorstand. Das Stift ist aus einem 772 gegründeten Benediktinerkloster hervorgegangen, das im Mittelalter reich begütert wurde und in erster Linie der Versorgung von Söhnen aus dem Adelsstande diente. Die Lebenshaltung der Stiftsherren war alles eher als mönchisch-einfach, und Kempten glich mehr einem Hofstaat als einem Kloster benediktinischer Regel. Die Zahl der Ange- stellten und Diener betrug zeitweise ein Mehrfaches im Vergleich zu den Kapitularen, und manchmal übertraf sie sogar allein die Zahl der Hof- musiker. 185
        

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