einen neuen flüssigeren Aggregatzustand der Zusammenarbeit getreten. Um dabei nicht aufgelöst oder von jeder neuen Welle der Entwicklung überspült zu werden, bedarf es auch für grössere Länder beharrlicher Festigkeit. Zugleich aber sind Öffnung und Mitwirkung und Solidarität verlangt, will man den Bezug zur heutigen Wirklichkeit nicht verlieren. Diese Spannung zwischen Beständigkeit und Anpassung, zwischen Festigkeit und Öffnung muss auch ein kleiner Staat aushalten. Dass dies wiederum —- vergleichbar mit den Zeiten zu Beginn Ihrer Regentschaft, Durchlaucht — der Anstrengung aller Kräfte bedarf, ist offenkundig, und wir müssen fragen: Sind unsere Institutionen auf diese neuen Her- ausforderungen vorbereitet. Es wäre dem Ernst dieser Feierstunde nicht angemessen, diese kritischen Fragen zu übergehen. Unser Staat hat seine Leistungen in den vergangenen Jahren ver- vielfacht. Höchste Erwartungen wurden übertroffen. Aber vielleicht haben wir uns zu einseitig dem nur Nützlichen verschrieben. Unsere demokratischen und repräsentativen Institutionen sind bei allen aner- kennenswerten Verbesserungen und ihren grossen Leistungen teilweise nicht entsprechend mitgewachsen. Die Frauen haben immer noch kein Stimmrecht, obwohl gerade ein kleines Land alle seine Kräfte und Ta- lente brauchen würde. Unsere Ständevertretung von 1818 mit 26 und mehr Abgeordneten, unsere Volksvertretung von 1848 mit 24 Abgeord- neten besitzt seit 1862 15 Mitglieder und derzeit zusätzlich 13 Stellver- treter. Damit muss die enorm gewachsene Arbeit bewältigt und die Kontrolle über die Regierung und die gross gewordene Verwaltung aus- geübt werden. Dies einige Bemerkungen an unsere eigene Adresse. Die demokratischen und repräsentativen Institutionen bedürfen in gewissen Zeitabständen des Uberdenkens und der Reformen, sollen sie die ihnen zukommenden Aufgaben erfüllen. Wie schon in den Kriegsjahren, kommt auch dem monarchischen Element eine staatserhaltende Rolle zu. Die erbliche Thronfolge ent- hebt den Fürsten der Wahl auf Zeit und bildet so ein Element der Kon- tinuität. Der Fürst, der die wechselnden Partei- und Wahlerfolge über- dauert, ist ein Faktor politischer Stabilität. Und weil die Monarchie die kluge und deswegen nicht weniger anteilnehmende Distanz hält und nicht gezwungen ist, in die Geschäfte der Alltagspolitik hinabzusteigen, steht sie über der Parteiung und dem demokratischen «Verschleiss» und XIV
        

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