Die prähistorischen Funde vom Schloss Vaduz Angesichts der eben geschilderten Fakten erstaunt es wenig, dass die prähistorischen Funde, vor allem die Keramik, nur in äusserst stark fragmentiertem Zustand geborgen werden konnten. Jede Umlagerung bringt einen substantiellen Verlust mit sich. Metallgeräte grösseren Aus- masses, wenn überhaupt vorhanden, dürften bereits im 16. Jahr- hundert aufgefallen und wahrscheinlich als Altmetall gesammelt und geschmolzen worden sein, sodass diese Fundkategorie ausfällt. Umso wichtiger sind deshalb kleine und kleinste Keramikfragmente sowie einige wenige Bronzeartefakte, die eine Datierung anhand cha- rakteristischer Merkmale erlauben. Bis vor kurzem waren ausser einer einzelnen undatierbaren Scherbe (JBL 60, 1960, 218) vom Schloss- areal keine absolut eindeutig prähistorischen Funde bekannt geworden. Anhand der nun vorliegenden Objekte müssen wir den Schlosshügel als einen prähistorischen Siedlungsplatz ansehen, der zu verschiedenen Perioden aufgesucht worden ist. Es scheint als ob in der mittleren Bronzezeit erstmals eine Begehung des Ortes stattgefunden habe. Wie für alle Epochen kann nur ein be- scheidener Umfang an Funden auch die Mittelbronzezeit belegen. Her- vorstechend ist punkto Erhaltung und Aussagekraft eine 11,9 cm lange Gewandnadel aus Bronze (Abb. 9,2). Der Kopf ist trompeten- förmig geschweift und oben flach (der Begriff «umgekehrt konischer Kopf» wird ebenfalls gebraucht). Der obere Teil des Nadelschaftes ist leicht verdickt und besitzt ein dünnes, horizontal durchgehendes Loch. Unser Exemplar besitzt im Gegensatz zu manchen anderen im Innern einen kleinen Hohlraum und nicht nur ein Loch in der Art einer Durch- bohrung. Die Verzierung besteht aus einem dreireihigen Fischgrät- muster, das von je einem umlaufenden Linienband oben und unten gesäumt wird. Anhand von Funden aus dem Hügelgräberfeld von Loch- ham (Ldkr. München, D) (Holste 1938; Müller-Karpe 1954, D 13) gelten solche Nadeln als typische Leitfossile für die frühe Mittelbronze- zeit (Reinecke Bz B) in Süddeutschland (Holste 1938 + 1953, 32; Torbrügge 1959, 31 — 38). Eine weitere feinchronologische Unter- teilung konnte Chr. Osterwalder mittels der Grabhügelnekropole von Weiningen ZH Hardwald (Vogt 1948/49) vornehmen, wobei der neu geschaffene «Horizont Weiningen» als zweiter Abschnitt der Mittel- bronzezeit definiert wurde (Osterwalder 1971, 22 — 30). Der Fund vom 13
        

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