Damasts gekauft, der mit goldenen und silbernen Plüschborten ver- ziert wurde.22 Die Schuhe selbst wurden nebst je einem Paar hoher Stiefeln vom bürgerlichen Schuhmachermeister Matthias P r u s s her- hergestellt.23 Ihre grossen feuervergoldeten Schnallen lieferte der auch sonst bekannte kaiserliche Goldarbeiter Dominik S u t e r e 11,24 Inte- ressant ist dabei das Verhältnis zwischen den Materialkosten und dem reinen Arbeitslohn. So kostete etwa eine Elle schweren Damasts drei Gulden 15 Kreuzer, während der Lohn des Schuhmachermeisters für ein Paar Schuhe mit einem Gulden 25 Kreuzer nur etwa ein Drittel da- von betrug. Überhaupt fällt im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Berichten auf, dass Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein nur das Teuerste und Beste an Spitzen, Borten, Tüchern, Stoffen und derglei- chen Rohware einkaufen Hess.25 Die Erklärung dafür liegt wohl zum einen in dem auch sonst zu beobachtenden Hang des Fürsten zur Re- präsentation, zum andern aber im Anlass, der zur Anfertigung der neuen Livreen führte, nämlich seiner Funktion als kaiserlicher Bevoll- mächtigter in Parma. In der Hand trugen die Läufer den an den Herold- stab erinnernden Läuferstock. Er war die Arbeit des schon genannten Goldschmieds Dominik S u t e r e 11, der «vor einen Lauffer Knopf samt Ror und Fason» nicht weniger als 600 Gulden erhielt.26 Dieser unverhältnismässig hohe Betrag zeigt den Wert, den man diesem reprä- sentativen Attribut der Läuferlivree beimass. Fassen wir abschliessend zusammen: die dem Heroldsgewand kostümkundlich verwandte Läufer- kleidung besteht im vorliegenden Fall aus dem Schurzkleid mit der Läuferbinde, Kniehosen, weissen Seidenstrümpfen und Damastschuhen. Als Kopfbedeckung diente das federngeschmückte Casquet. Dieses und der der Facon und dem Material nach besonders wertvolle Läuferstock 22 Rechnung Nr. 220. 23 Rechnung Nr. 184. 24 Julius Fleischer, Das kunstgeschichtliche Material der geheimen Kam- merzahlamtsbücher in den staatlichen Archiven Wiens von 1705 bis 1790 (Quellenschriften zur barocken Kunst in Österreich und Ungarn 1, 1932). 25 Besonders ist auf die hohen Beträge hinzuweisen, die der Edle Johann von Friess für seine Tuch- und Bortenlieferungen ausbezahlt bekam; vgl. u. a.die Rechnung Nr. 159. 26 Rechnung Nr. 96. 96
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.