livreen3 kann eine gewisse Ordnung in der Wertschätzung der einzelnen Chargen abgelesen werden. An der Spitze stehen die Läufer, deren Livree neun Gulden kostete. Dazu ist aber zu bemerken, dass ihre Kleidung aus mehr Einzelteilen bestand als die der anderen hier behandelten Livree-Bedienten. An zweiter Stelle folgen die Edelknaben, die in den Quellen auch als Pagen bezeichnet werden, und die Leib- lakaien: ihr Galagewand wird mit je acht Gulden berechnet. Den Schluss bilden die Sesselträger und Kammertrabanten, deren Kleider mit etwa sieben Gulden die billigsten waren. Die hier versuchte Be- schreibung der Livreen musste grossteils deskriptiv bleiben, da es in der kostümkundlichen Literatur kaum vergleichbare Untersuchungen gibt. Überhaupt betrachtete man die Beschäftigung mit der Dienerkleidung offenbar als «cura posterior» und die Livree wurde in den verschiede- nen Handbüchern — wenn überhaupt — nur nebenbei zur Kenntnis genommen.6 Dass diesem unbegründeterweise vernachlässigten Thema aber durchaus kostümkundliche und darüber hinaus auch kulturge- schichtliche Bedeutung zukommt, sollen die folgenden Ausführungen zeigen. Die Läuferlivree war besonders reich ausgestattet (Abb. 1). Das ent- spricht der Tradition und der Aufgabe dieses Hofdienstes, der im 18. Jahrhundert neben die sozial höher eingestuften Herolde trat. Kaiser- liche Läufer werden in Wien erstmals 1704 genannt (Abb. 2).7 Ihre Zahl schwankte, erreichte aber in den Jahren 1718 und 1745 mit 16 Läufern ihren höchsten Stand. Im Zeitalter des Josephinismus verloren die Läufer sukzessive an Bedeutung und ab 1788 stehen nur mehr zwei Läufer in kaiserlichen Diensten. 1808 scheinen sie zum letzten Mal in 5 HHStA. a.a.O. f. 86 —94. 6 Vgl. Hilaire and Meyer Hiler, Bibliography of Costume (1939) 548 und Ingeborg Petraschek-Heim, Die Sprache der Kleidung. Wesen und Wandel von Tracht, Mode, Kostüm und Uniform (1966) 99 f. 7 Ein frühes Beispiel für die Herstellung eines «lauffer Khlait» findet sich in einem Musterbuch des Freistädter Stadtschneidermeisters Johann P i r i n g e r aus dem Jahr 1720; vgl. Gustav Brachmann, Ein Musterbuch des Frei- städter Schneider-Handwerks von 1720. Oberösterreichische Heimatblätter 7 (1953) 256 — 261. Erwähnt auch von Ingeborg Petraschek-Heim in: Figurinen nach alten Schnittbüchern. Katalog zur Ausstellung des Stadt- museums Linz (1968) 75 — 77. 90
        

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