Baugeschichte der Burg Vaduz von Dr. F. v. Wieser Der gegen das Rheintal vorspringende Felskopf, auf welchem die Burg Vaduz steht, war bereits in prähistorischer Zeit besiedelt und befestigt. In dem Revers der mittelalterlichen Burg können wir den Verlauf des urgeschichtlichen Ringwalles ziemlich deutlich erkennen. Entstanden ist die Wallburg wahrscheinlich schon in neolithischer Zeit. Sicher erwiesen ist ihre Existenz für die Bronzeperiode durch eine im Mauerschutt unter dem Boden der alten Kornschütte vor kurzem auf- gefundene dreieckige Dolchklinge. Aus einer schon jüngeren prähistorischen Periode, nämlich aus der Hallstattzeit stammt ein an derselben Stelle ausgegrabenes Fragment eines Bronzehelms.1 An die alte Wallburg erinnert noch der Name «Heidentürm», wel- cher an dem Bergfried haftet. Dieser mächtige Turm mit seinen 4 m dicken Grundmauern wurde vielfach als römisches Bauwerk bezeich- net. Einige ältere Autoren verlegen die Erbauung desselben in das IX. Jahundert.2 Der Turm ist aber nicht so alt, als er auf den ersten Blick erscheint. Der rohe, fast zyklopenmauerartige Steinsatz erklärt sich daraus, dass zum Aufbau höchst wahrscheinlich Blöcke von dem prähistorischen Ringwall verwendet wurden. Einen stilistischen An- haltspunkt für die Altersbestimmung des Bergfrieds bieten die beiden schmalen, gekoppelten Fenster im vierten Geschoss des Turmes. Sie sind aus Kalktuff ausgeführt, demselben Material, wie das Gewände des alten Turmeinganges. In der Mitte jedes der beiden Fenster steht ein gedrungenes, rundes Säulchen, auf welchem die beiden Sturzplatten aufliegen. Beide Stürze entsprechen noch der romanischen Bauweise, 1 Es ist ein unscheinbares Bronzeblättchen, das aber nach der Technik und Ornamentierung mit Sicherheit als Randstück eines Kamm-Helmes be- stimmt werden kann von jenem Typus, welcher für das rätische Gebiet besonders charakteristisch ist. 2 P. Kaiser, «Geschichte des Fürstentums Liechtenstein», Chur 1847, p. 48 und 157. Vgl. dagegen die besseren und technisch sachkundigeren Ausführungen E. Rheinbergers in seinem Aufsatz «Die Burg Vaduz» im Jahrbuch des Histo- rischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, 1904, p. 152 ff. 55
        

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