materialien eventuell an einem anderen, uns noch unbekannten Ort deponiert worden sind, kann hier nicht mit Bestimmtheit behauptet werden. Wir dürfen aber nicht ausser Betracht lassen, dass der vermut- liche Grabfund von Iraggell (Frei 1960) nur etwa 1,5 km vom Schloss entfernt lag und etwa gleich zu datieren ist. Erst wieder aus der Latenezeit sind nochmals einige Fundobjekte zu erwähnen, doch deuten auch diese eher nur eine Begehung des Platzes an, als eine Siedlung. Zwei Scherben tragen auf der Schulter halbkreisförmige Stempelmuster als Verzierung sowie Reste eines am Hals befindlichen Wulstes (Abb. 10, 1 + 2). Sie sind mit der sog. «Schnellerkeramik» in Verbindung zu bringen (Beck 1951; Frei 1956). Eine sehr ähnliche Scherbe stammt vom «Krüppel» ob Schaan (Beck 1965, Abb. 27, 20) und auch in Chur GR «Welschdörfli» (freundliche Mitteilung Chr. Zindel, Archäologischer Dienst des Kantons Graubün- den) gibt es vergleichbares. Die Datierung der Schnellerkeramik ist noch nicht ganz abgesichert, sie beginnt sicher in der Frühlatenezeit, könnte aber auch ins Mittellatene hineinreichen. Noch jünger dürften die beiden Scherben aus Graphittonkeramik (Abb. 10, 5 + 6) und die rot bemalte Spätlatenescherbe (Abb. 10, 7) sein, die im 1. Jh. v. Chr. in Gebrauch waren. Ferner darf nicht vergessen werden, dass bereits F. von Wieser bei den Restaurierungsarbeiten zu Anfang unseres Jahrhunderts einen wichtigen, doch heute leider verschollenen Fund getätigt hat: ein Rand- fragment eines Negauerhelmes, das charakteristisch verziert gewesen sein muss (Wieser in Rheinberger 1977). Zwei Halbfabrikate aus Hirschgeweihstangen zeigen Schnitt- und Sägespuren und könnten wohl am ehesten zum latenezeitlichen Mate- rial gezählt werden. Die Bedeutung der Funde vom Schloss Vaduz liegt vor allem darin, dass ein bisher noch unbekannter Fundplatz durch Objekte mehrerer prähistorischer Perioden belegt wird. Ihr Aussagewert beschränkt sich zwar, was eine Siedlung angeht, durch die Umstände auf ein Minimum, doch sind auch solche Objekte für die Forschung äusserst wichtig und können Bausteinchen für ein besseres Verständnis der historischen Vor- gänge darstellen. Die Ostseite der Rheinniederung war wahrscheinlich in der Region Vaduz zu prähistorischer Zeit durch den mäandrierenden Fluss versumpft und nur schwer passierbar. So liegen die bis heute 22
        

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