Tott gewünscht, da Sie das grosse Elend an Unsserem Armmen hauffen nit sehen, und das grussame Abscheyliche Schennden unnserer weiber und Junckhfrawen nit hören müessten»175! «Wie viel feiner, frommer, ehrbarer Schwestern (die Scham und Zucht von Jugend auf geliebt) schwangere Weiber, Kindbetterinnen und todkranke Schwestern, Jungfrauen, Mädel bei acht und neun Jah- ren, auch junge Knaben (dz doch ganz wider die Natur ist) wurden offenlich ohne alles Entsetzen geschändet. Die Mannspersonen beim heimlichen Glied aufgehenkt, mit heissen Eisen und glühenden Pfannen brennt, die Füss ins Feuer gelegt, dz ihnen die Zehen ab- brunnen, Wunden geschnitten, Pulver darein gestreuet und demnach angezündet; Finger und Ohren abgeschnitten, gereitelt (ein Seil um den Kopf gebunden und angezogen), dz die Augen zum Kopf heraus- gangen, um den Hals wie Dieb aufgehenkt und derogleichen unerhörter Gottlosigkeit und Tyrannei, die einteil Scham halber nit zu schreiben, ging bei dem kaiserlichen Kriegsvolk im Schwung, die noch die besten Christen sein wollten»176! (noch = dennoch). 1622 wurde das Schicksalsjahr der Hutterer in Mähren. Das ent- scheidende Mandat zur Austreibung der Täufer übersandte Ferdinand II. am 17. September 1622 dem Kardinal Franz von Dietrichstein. Am 28. des Monats folgte ein Patent Dietrichsteins (der in Nikolsburg wohnte) das die Ausweisung der Täufer befahl.177 Eine etwas zwielichtige Rolle spielte seit der Wende zum 17. Jahr- hundert Karl von Liechtenstein, der erste der Familie, der wieder katho- lisch war178 — unter dem Einfluss des mit ihm befreundeten Kardinals Dietrichstein war es zur Konversion Karls und seiner Brüder gekom- men179. Einerseits hatte er den als Täuferfeind schon bekannten Jesuiten Christoph Andreas Fischer 1601 als ersten katholischen Geistlichen nach Feldsberg kommen lassen, um die zwangsweise Gegenreformation einzuführen.180 Dieser schrieb denn auch 1603 die Hetzschrift «Von der 175 Zieglschmid, Ste 717. 176 Kleingeschichtsbuch, Ste 141. 177 Plümper, Ste 59. 178 Nach Beck, Ste 152 A 1 wäre freilich Johann VI. (der Neffe Leonhardrs I.) wieder katholisch geworden. 179 Falke, Bd 2, Ste 130. 180 Becker, Ste 345. 167
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.