zur Schule gehen, allenfalls noch Pfarrerskinder. Das gemeinsame Le- ben der Hutterer führte auch zu früher «Chancengleichheit», um ein modernes Schlagwort zu gebrauchen. Ein weiterer Vorteil dieses Systems bestand natürlich darin, dass auch die Frauen auf einem Bruderhof mitarbeiten konnten, vor allem in der Landwirtschaft, im grossen Haushalt, bei der Herstellung von Textilien, in der Näherei. Und beim Tod oder bei Arbeitsunfähigkeit der Eltern war für die Waisen gesorgt. Das wussten die Kinder und hingen darum an der Gemeinde wie an einer Mutter171. Blut und Tränen Als wäre es eine saubere, verwaltungstechnische Angelegenheit, die sich mit einem Federstrich hätte erledigen lassen, erfährt man in Feyfar's Monographie über Nikolsburg: «Natürlich änderte sich nach Ferdi- nand I. Thronbesteigung die ganze Sachlage und wenn auch die Sektirer noch einige Zeit in Nikolsburg und Umgebung ihr Unwesen treiben konnten, so war es doch besonders durch ein energisches Eingreifen der späteren Besitzer, der Herren von Dietrichstein, . . . um ihre fernere Existenz geschehen»172. So fein säuberlich ging es aber nicht zu! «1619 .... in obgemelten 2 Monathen (Sept,/Okt. 1619) über die 300 Schüss mit grossen stucken von fewrigen und andern Eisenen kug- len, zu den 18 und 24 pfunden, auff unnser hauss Zur Newmül In und durch die Tächer beschehen, dass hauss damit vermaint abzubrennen, welches Aber Gott der herr gnediglich verhüetet»173. So «gnädiglich» liefen die Überfälle zu Anfang des dreissigj ährigen Krieges bei den Täufern selten ab — «Den 19. Octobris unnser hauss Zu Nicolspurg von den Ungern seer geblündert, Brüeder, Schwestern und kinder auss- zogen, den hausshalter geschossen (doch nit tödtlich), auch sonste übl gehandelt und gemuetwilt, ein Zwaytägige Kindtbetterin beraubt und ausZogen. .. »174 Es wurde so schlimm, dass «Innen Vill frommer den 171 Plümper, Ste 106. 172 Feyfar, Ste 77. 173 Zieglschmid, Ste 714. 174 Zieglschmid, Ste 714. 166
        

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