Selbst der schon als grösster Verfolger der Täufer erwähnte Dietrich- stein hat einen «Balthaussern Kholert, Bruderischen Hauptarzten»148. Sehr begehrt sind auch wiedertäuferische Hebammen, die von Adligen für ihre Frauen und Töchter jeweilen rechtzeitig auf einen bevorstehen- den Geburtstermin bestellt wurden149. Der literarische Hauptwider- sacher der Täufer, Fischer, bittet darum 1603 in seinem Buch «Von der Widertauffer verfluchten Ursprung» die Obrigkeiten des Landes «viel weniger aus den Täufern die Weiber zu Saugammen zu nehmen, dieweil sie samt der Milch das widertaufferische Gift etlichermassen den christlichen, unschuldigen Kindern zu trinken geben»130! Das Geheimnis des beruflichen Erfolges der Hutterer war die Schulung und Erziehung ihrer Kinder. Was in einer Schrift über die Habaner-Fayencen dazu gesagt wird, gilt für alle Berufe: «Die in den Hausgemeinden herrschende Zucht und dauernde Schulung wirkte sich günstig auf die Erhaltung und Hebung des künstlerischen Niveaus aus. Vom frühesten Alter an wurden die begabteren Kinder als Lehrlinge zur Mitarbeit herangezogen, die Erziehung und das gute Beispiel, das ihnen in den Hausgemeinden vor Augen schwebte, brachte die in ihnen schlummernden künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten zur Entfaltung. Denn die 'Neuchristen' waren nicht nur gewissenhafte, gute und zuverlässige Handwerker, sondern phantasiebegabte, einen ganz eigenen Stil entwickelnde, schöpferische Künstlernaturen»131. In der Erziehung einige Jahrhunderte voraus Auf Neumühl entstanden nicht nur die Handwerksordnungen, welche zu bestimmten Zeiten den Handwerkern vorgelesen und auf die diese dabei verpflichtet wurden, sondern auch die Schulordnung von Peter Walpot aus dem Jahre 1568. Sie ist in mancherlei Beziehung fort- schrittlicher als die heutige Schulwirklichkeit und jedenfalls ein fast unglaublicher Einzelfall in ihrer Zeit. Den in Nemschitz versammelten «Schulbrüdern und Schulschwestern» wurde sie von Peter Walpot vor- gelesen und erläutert. 148 Hruby I, Ste 34. 149 Hruby I, Ste 32. 150 Menn. Lex. Bd. 1, Ste 647. 151 Kristinkovich II, Ste 13. 162
        

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