Gütezeichen «Täuferarbeit» 1612 bittet Johann Dionys von Zierotin den wiedertäuferischen «vorgestellten Zimmermann zu Schackwitz» um «ein Modell des Tau- benhauses, so zu Boskowitz ist und auch eins der Herr Gundakher von Liechtenstein zu Wilfersdorf vor die Tauben und ander Geflügl hat»131. Solche Bestellungen gingen laufend bei den Bruderhöfen ein, und es hat den Anschein, dass der mährische Adel bei diesen Dauerkunde war. Besonders beliebt — und auf die Erwähnung dieser beiden Berufe muss sich dieser Aufsatz beschränken — waren die Dienste und Produkte der Töpfer und Ärzte der Täufer bei den hohen Herren. Die Keramik der Täufer wird in kunstgeschichtlichen Abhandlun- gen als «Habaner-Fayence» bezeichnet. (Der Ursprung des Namens «Habaner» für die Täufer ist nicht ganz befriedigend geklärt, am ein- leuchtendsten scheint die Ableitung von «Haushaben», dann wären die Täufer [Haus-] Habaner). Leider haben sich die meisten Verfasser von Monographien über diese Töpfer-Kunstwerke zu wenig mit den kirchen- geschichtlichen Vorgängen in Böhmen-Mähren befasst, ehe sie an die Schilderung der Bruderhöfe und ihrer Bewohner gingen — so findet man in diesen Schriften Zutreffendes und erheiternd Falsches nebenein- ander. Fürst Gundacker von Liechtenstein (1580—1658), der jüngste Bruder von Fürst Karl, fragt noch um die Mitte des 17. Jahrhunderts beim Bischof von Sobotisch, Andreas Ehrenpreis, ob er ihm nicht für die Habaner auf seinen Gütern «Hafner-Letten» aus Ungarn besorgen könne132 — «obden also und insonderlich ob so gar vortrefflicher Haffner-Letten alda seye?».133 Offenbar gibt es auch nach der Vertrei- bung der Täufer (1662) auf liechtensteinischen Gütern noch «Krügl- brüder»! Die mährischen Töpfereien waren ohne Zweifel die berühmtesten der Zeit, denn «die Habaner waren mit dem fortschrittlichsten Ver- fahren durchaus vertraut»134 und «besassen überaus sinnreiche Farb- 131 Hruby I, Ste 32. 132 Kristinkovich II, Ste 40. 133 Kristinkovich I, Ste 29, A 11. 134 Kristinkovich II, Ste 40. 157
        

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