gegenüber nicht erklären und waren sich keiner Schuld bewusst: Sie arbeiteten ja nur, und wollten gegen niemanden etwas Böses. «Desglei- chen der Stett halber, die sich, wie wir hören, über uns beschweren und beklagen, als ob wir den landthandwerkern das brot vorm mund ab- schnitten, wissen wir nit, dann, das wir uns in aller treuer arbeit be- fleissen, einem yeden seinen pfennig zu vergelten, welche unsere treue nun fast under alles volkh auskörnen ist. Gott sey allein die Eer, das uns das volkh nun seer zu leufft»127. Auch die Adligen waren sich im Klaren, wie wichtig für das Land die Pionierarbeit der täuferischen Brüder waren, wie unter ihnen so viel «saubere, und künstlerische Handwerker auf vielen Gebieten zu finden wären. Während ihrer langjährigen Tätigkeit in Mähren hätten sie keine geringe Arbeit geleistet und wenn sie nicht gewesen wären, wüssten sich viele Obrigkeiten in manchen Dingen keinen Rat»128. Von Johann Dionys von Zierotin — dieses Geschlecht war der wichtigste Förderer der Täufer, als die Liechtensteiner zum Katholizismus übergetreten waren — wissen wir, «dass er selbst Reklame für ihre Arbeiten machte, ihnen Kunden und damit auch Arbeit verschaffte» Letztlich sah man «in ihnen wirklich fromme, ruhige Leute, die bestrebt waren, nach den Grundsätzen Christi zu leben und sie auch in ihrem Leben auf mannig- faltige Art zu verwerten und sah überdies, dass ihre 'Gemeinschaft' 'auf Liebe und Einigkeit' beruhte, wie einst in den ersten Zeiten des Christentums»120. Plümper zählt auf, welche Gründe zu diesem erstaun- lichen beruflichen Stand der Täufer geführt haben: Hoher Ausbildungs- stand ihrer Handwerker, die ihre Berufserfahrung aus der Heimat mit- gebracht hatten — grösste Gewissenhaftigkeit bei der als Gottesdienst aufgefassten Arbeit — billigere Produktion durch Grosseinkauf der Rohstoffe — günstige Produktionsweise durch Gemeinschaftsarbeit — kein Gewinnstreben130. 127 Beck, Ste 171 128 Hruby I, Ste 22. 129 Hruby II, Ste 183. 130 Plümper, Ste 120. 156
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.