werden. Jedes Stück muss so lange als möglich ausgenutzt werden. Ebenso wird es mit allem untauglich gewordenen Werkzeug gehalten. Leibwäsche, Bettwäsche und Federbetten werden jedem ausgegeben. Stirbt jemand, so muss alles, was er benutzt hat, zu 'der Gemein Kam- mer' zurückgebracht werden, auch alle Bücher, die er vielleicht ge- schrieben hat, und sein Werkzeug. Niemand darf etwas aus einem Nach- lass zurückbehalten»110. Eine kleine Sonderbehandlung genossen die Ältesten: Sie «waren in Kleidung, Essen und Trinken etwas bevorzugt, was 1540 in einer deswegen veranstalteten Versammlung von den Brüdern gebilligt und beschlossen worden war. Noch heute bezeichnen die Hutterer das ohne Eifersucht als 'kleinen Liebesdienst' der Ge- meinde an den Ältesten»111. Die Ältesten wurden von der Gemeindeversammlung gewählt. Über ihnen stand noch der Hauptvorsteher (eben damals mit Sitz in Neu- mühl), der anfangs auch von einer Versammlung aller Täufer, später von Abordnungen der einzelnen Haushaben gewählt wurde. Die Älte- sten wurden manchmal zunächst nur probeweise eingesetzt («inn der versuechung») und konnten bei Nicht-Bewährung auch abgewählt wer- den. Sie hatten neben der Haupt-Leitung einer Haushabe auch den Aus- schluss aus der Gemeinde zu vollziehen — allerdings immer in Zusam- menwirken mit allen Mitgliedern der Gemeinschaft. Ausserdem waren sie Repräsentanten der Haushabe nach aussen, schlössen für sie Ver- träge ab und führten Verhandlungen. Ohne ihr Einverständnis durfte niemand ausserhalb einer Haushabe arbeiten. Das war auch ein Schutz für den betreffenden Arbeiter: Wurde er schlecht behandelt und ausge- nutzt, zog ihn die Gemeinschaft wegen Nichterfüllung des Vertrages einfach zurück. Unter den Ältesten standen die «Diener der Notdurft», die Haus- halter, die für Einkauf und Verkauf der Güter im Verkehr mit der Um- welt und für die richtige Verteilung im Innern des Gemeinwesens ver- antwortlich waren. Ihnen zur Seite standen die Vorarbeiter («Weinzierl», eigentlich Winzer), welche die Arbeit verteilten und kontrollierten, und mit den Werkstatt-Vorstehern zusammenarbeiten mussten. 110 Müller, Kommunismus Sten 98/99. 111 Plümper, Ste 99. 151
        

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