Erst im Jahre 1934 wurde der täuferische Ursprung dieser künstli- chen Höhlen — heute «Lochy» genannt — entdeckt, nachdem man sie vorher als prähistorische Bauten angesehen hatte93. Diese Höhlen sind alle nach einem einheitlichen Grundkonzept, aber jede für sich nach einem besonderen Plan angelegt. Das Mennonitische Lexikon erklärt diese Bauweise so: «Wenn wir z.B. wissen, dass die religiöse Lehre es den Täufern nicht gestattete, dem Feind mit der Waffe in der Hand ent- gegenzutreten, auch nicht im Falle einer Bedrohung des Lebens, dann können wir uns leichter die sehr komplizierte und manchmal scheinbar widersinnige Anlage der Löcher erklären. So, wenn z.B. irgend ein Gang ständig die Richtung ändert, wenn er durch Fallgruben unterbrochen wird und wenn er sich in der Folge um einen Stock höher fortsetzt, wohin man wieder nur durch einen besonderen Schacht gelangen kann und wenn nachher derselbe Gang in einem grossen Bogen zu seinem ursprünglichen Ausgangspunkt zurückkehrt, so dient das alles gerade dazu, um einerseits den Schutzsuchenden Zeit zu gewähren, ihren Verfolgern zu entfliehen, ohne mit ihnen in Berüh- rung zu kommen, andererseits selbstverständlich auch dazu, den Gegner in Verwirrung und Unsicherheit zu bringen»94. Wer es wagte, die Täufer in diese Höhlen zu verfolgen, riskierte also, nach einer vergeblichen und abenteuerlichen Irrfahrt durch dunkle Gänge, in denen man in Löcher fallen und in Sackgassen tappen konnte, — plötzlich wieder ans Tageslicht zu kommen an eben der Stelle, an der man den Irrgarten betreten hatte. Die Bewohner der Höhlen aber ver- fügten über grosse Aufenthaltsräume, die nur Eingeweihten erreichbar waren. Die Anlagen, die im Elsass und Bayern gefunden und verglichen wurden, sind nach demselben Schema gebaut — und finden sich auch an Orten, an denen Täufer lebten. Diese ersannen also ein ingeniöses Verteidigungssystem, das ihnen erlaubte, brutalsten Feinden zu ent- gehen, ohne zur Waffe greifen zu müssen. Dieses System wandten sie in ihrer Notzeit überall, vor allem aber in Mähren und dort besonders auf den Gütern der Herren von Liechtenstein an. 93 Plümper, Ste 55, A 3. 94 Menn. Lexikon Bd 2, Ste 681. 147
        

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