sahen, dass alle Besorgnisse wegen revolutionärer Umstürze der Wieder- täufer ganz überflüssig waren»77. Der König gab keine Ruhe. Kaum war (1545) die Türkengefahr gebannt, erschien er (1546) wieder persönlich am Landtag zu Olmütz: «Jedenfalls wollte er durch seine Anwesenheit die ganze Angelegenheit der Wiedertäufer endlich zum Abschluss bringen. Diesmal brachte er es — wahrscheinlich durch sein persönliches Einwirken — dahin, dass die Stände schliesslich nachgaben und alle Wiedertäufer endlich doch bis zum heiligen Jakob (25. 7.) auszuweisen beschlossen»78. Sonderlich genau nahmen es die Herren des Landadels freilich nicht — sie überliessen das schmutzige Geschäft der Vertreibung, das ihnen selber zuwider war, weitgehend königlichen Truppen. Jedenfalls heisst es in einer Eintragung über den März-Landtag von 1550: «Von den Wiedertäufern. Da es bei dem blieb, was auf den vorhergehenden Land- tagen beschlossen worden war, dass sie nämlich im Lande nicht zu dulden seien, sollten diejenigen, die noch Wiedertäufer beherbergen, diese bis zum kommenden heiligen Johannes, das ist bis zum 24. Juni 1551 ausweisen»79. Nach einem Jahrzehnt gab es immer noch Herren, die die Täufer nicht verjagt hatten. Offensichtlich beschützten die Liechtensteiner die Verfolgten am standhaftesten. Als auch Schäkowitz hatte aufgegeben werden müssen (1535) «sindt sie auff dz weit feldt zogen und sich ge- legen auf der Herrn Liechtenstainer Nicolspurger gründ»8'. Man ver- dächtigt die unter freiem liechtensteinischem Himmel Lagernden gar, sie wären bewaffnet (1535, im Jahr des Falls von Münster ein schwerer Vorwurf!): «Weil aber die gmain des Herren wie oben gemelt auff des Liechtenstainers grundt bej Tracht In der Stahnitz under dem Lässling sich hat gelegen, ist das frume Heer mit unwahrhait gegen der Herr- schaft angeben, verklagt unnd beschuldigt worden als ob sie sich mit geschütz und gweer heten gerüstet. Do schicket der Landes-Hauptman balt seine dienner und boten, das leger der fromen zu besichtigen, ob dem also wer. Da haben sie an stat der Büxen und Brächsen (Schwerter) 77 Hruby I, Ste 14 1933. 78 Hruby I, Ste 18 1933. 79 Hruby I, Ste 20 1933. 80 Zieglschmid, Ste 147. 142
        

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