Gulden für die deutschen Edelknaben. Der Stickereibesatz war das Werk des kurz zuvon genannten Perlstickers Peter Anton D i e r c k e s und man darf annehmen, dass die Arbeit von der gleichen hervorragenden Qualität war, wie bei den ungarischen Pagengewändern.82 Für die Stadt macht Andreas Hess sechs Kleider aus rotem Tuch, die doppelt mit breiten Silberborten besetzt waren und zehn Gulden kosteten. Um drei Gulden billiger waren die mit silbernen Schlingen gezierten sechs «Campagnie Reiß Kleider.» Wie immer verrechnete Hess zusätzlich Schnallen, Seide, das Nähsilber zum Überstechen und die verschiedenen Arten von Leinwand als Futtermaterial.83 Die deutschen Edelknaben trugen keinen Mantel. Dafür waren auf der Schulter der Kleider prunk- voll gestickte Achselbänder aufgenäht, die die schon mehrfach genannte Wiener Stickerin Anna Sophia K o b 1 e r(in) herstellte. Gemäss ihrem Arbeitsvertrag vom 26. März 1760 verpflichtete sie sich, die Achsel- bänder «nach ausgesuchten muster und Desseng von Schönnen gold guether Arbeith bis Ende May 1760 zu verschaffen und zu verfertigen».84 Aus dem Datum, an dem die vereinbarte Summe von je 50 Gulden be- zahlt wurde, geht hervor, dass die Stickerin die gestellte Lieferfrist ge- nau einhielt, wie überhaupt Terminverzögerungen in den durchgesehe- nen Rechnungen äusserst selten sind. Die eingeräumte Lieferfrist von zwei bis längstens drei Monaten wurde fast immer genau eingehalten, was auf eine beachtliche Arbeitskapazität der beauftragten Handwerker und ihrer Betriebe schliessen lässt. Zum Edelknabenkleid gehörten auch die bis zu den Knien reichenden Pluderhosen, ein Fachausdruck, der in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts erstmals begegnet, bald aber zu einem festen Begriff der Mode wurde.85 Wie die ungarischen Edelknaben trugen auch die deutschen Pagen lederne Degengehänge. Sie waren mit blauem Samt überzogen88 und hingen mit feuervergolde- ten Schnallen an roten Hosenriemen, die der Riemermeister Johann 82 Rechnung Nr. 195; vgl. Seite 114. 83 Rechnung Nr. 213. 84 Rechnung Nr. 81. 85 Vgl. den zeitgenössischen österreichischen Lexikographen Johann Sigmund Valentin Popowitsch, Vocabula Austriaca et Stiriaca (1705 —1774). Österreichische Nationalbibliothek. Hs. N.Ser. 9504, und Hampel a.a.O. (Anm. 56) 274, Abb. 19 und 19a. 86 Rechnung Nr. 218. 116
        

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