oder Fürstenhof geschickt, wo sie als Pagen unter der Leitung eines eigenen Edelknabenmeisters am Hofleben teilnahmen. Aber nicht nur das, sie erhielten auch Unterricht in Fremdsprachen, Fechten, Reiten, kurz in allem, was ein junger Adeliger in seiner Zeit benötigte. So war der Pagendienst bei Hof ein begehrtes Ziel, stellte er doch of die Grund- lage für eine spätere politische oder gesellschaftliche Karriere dar. Die Institution der Edelknaben mit ihren «Praeceptoren» hat sich im Laufe der Jahrhunderte zwar den veränderten Gegebenheiten angepasst, ist in ihrer Grundkozeption am Wiener Kaiserhof aber bis zu dessen Auf- lösung im Jahre 1918 unverändert erhalten geblieben (Abb. 7).66 Beim festlichen Einzug Fürst Joseph Wenzels von Liechtenstein in Parma im Jahr 1760 waren acht fürstliche Edelknaben in seinem Gefolge, zwei ungarische und sechs deutsche. Die Kleidung der Pagen war schon auf Grund der adeligen Herkunft der Träger besonders aufwendig und die als Quelle herangezogenen Abrechnungen berichten immer wieder von hohen Kosten, die bei der Neuanschaffung der Edelknabengewänder aufgewendet wurden. Dabei ist zu bedenken, dass sich die Tracht der ungarischen Edelknaben wesentlich von der der deutschen unterschied, was in der Folge eine einheitliche Darstellung der Pagenkleidung un- möglich macht. Die Neuanfertigung der Livree der ungarischen Edelknaben war das Werk des Wiener Gold- und Perlstickers Peter Anton D i e r c k e s sowie der beiden ungarischen Schneidermeister Gregor D r e x 1 e r und Jakob Lutschandski. Die Hauptarbeit leistete aber ohne Zweifel Peter Anton D i e r c k e s , der zum gleichen Anlass auch die prachtvollen, erhalten gebliebenen fürstlichen Handdecken schuf.67 Er schloss am 12. April 1760 einen Vertrag mit dem Baron von Loeschenkohl und verpflichtete sich darin, «bis Ende Juni 8 Edel Knaben oder sogenannte Baägen Kleider, 6 teütsche und 2 hun- 66 Das Monturdepot des Kunsthistorischen Museums in Wien bewahrt bis heute die Gala- und Trauergarderobe der kaiserlichen Edelknaben auf, die anläss- lich der Krönung Kaiser Karls I. von Österreich im Jahr 1916 in Budapest teils ausgebessert, und teils neu angeschafft wurde. 67 Der Goldene Wagen des Fürsten Joseph Wenzel von Liechtenstein. Katalog. Verf.: Rudolf H. Wackernagel, Herbert Haupt und Georg K u g 1 e r (1977) 58 Nr. 6 und Abb. 34. 113
        

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