Sehr oft fanden sich Einwanderer aus bestimmten Ländern oder Städten zusammen, um in der neuen Heimat eine neue Stadt zu grün- den. Als Beispiel sei hier lediglich die brühmte Schweizer Siedlung New Glarus im Staate Wisconsin erwähnt, doch existieren im weiten Amerika unzählige ähnliche Gründungen, deren Ursprung sich auf Einwanderergruppen aus allen Ländern Europas zurückführen lässt. Eine liechtensteinische Gründung allerdings gibt es in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht. Dies scheint, wenn man sich die Auswandererzahlen der 80er Jahre anschaut, doch eher verwunderlich. Denn allein in den 17 Monaten zwischen dem 1. Januar 1881 und dem 31. Mai 1882 wanderten aus Liechtenstein 134 Personen nach Amerika aus. Die Gemeinde Balzers stellte dabei mit 62 Personen das bedeutendste Kontingent, gefolgt von Triesenberg mit 20 und Eschen mit 18 Personen. Um ein Städtchen «New Liechtenstein» zu gründen, waren die Voraussetzungen trotzdem denkbar ungünstig, denn von den insgesamt 134 Personen waren lediglich neun weiblichen Geschlechts und die mit 62 Personen zahlenmässig stärkste Gruppe, die Balzner, bestand aus- schliesslich aus Männern.122 Der Aderlass war in jenen Jahren in Balzers übrigens so gross, dass sich ein Korrespondent des «Liechten- steiner Volksblatt» bitterlich über das «Auswanderungsfieber» beklagte und feststellte, dass «die Auswanderungsziffer . . . annähernd 8 Prozent der Balzner Bevölkerung beträgt». Die eigentliche Ursache für diesen Bevölkerungsschwund sei «in der Verdienstlosigkeit, in den letzten schlechten Erntejahren und in der bei derartigen Verhältnissen dop- pelt fühlbaren Überanstrengung der Gemeinde infolge der Rheinbau- ten etc. zu suchen». Schliesslich fragt der Schreiber auch, ob es «nicht sehr angezeigt (wäre), wenn die Gründe des allgemeinen wirtschaft- lichen Niedergangs, der leider auch zum Theil in andern Gemeinden 122 LRA 1882/858, Auswanderungsstatistik 1881/82. Die Statistik weist für 1881 (1882) folgende Ziffern auf: Vaduz 4 (6), Planken 1 (1), Balzers 55 (7), Triesenberg 9 (11), Ruggell 0 (1), Gamprin 0 (1), Triesen 1 (1). Schaan 1 (11), Mauren 0 (5), Schellenberg 1 (0). Liechtenstein hatte 1881 lt. Ospelt, Anhang S. 63, 7970 Einwohner; die Auswanderung des Jahres 1881 entspricht also 1 °/o der Gesamtbevölkerung. 66
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.