Feilschen, Zerren, Ziehen. Sie ringen sich förmlich gegenseitig die Beute ab. Als Köder tragen die «Gasthäuser» — oft genug sind es nur arm- selige Spelunken— hochtönende Namen: «Stuttgarter-Hof», «Württem- berger-Hof», «Zur Stadt Berlin» u.s.w. Wer sich entschlossen, wohin er gehen will, erhält eine leicht unterscheidbare Karte an den Hut ge- steckt.»111 Wenn die Einwanderer den Castle-Garden oder später Ellis Island verliessen, standen sie plötzlich mitten drin im amerikanischen Alltag. Wer sich während der Uberfahrt noch Illusionen über die «Neue Welt» gemacht hatte, fand nun auf den Boden der Realität zurück. Viele fielen skrupellosen Ausbeutern in die Hände, die ihre Unkenntnis ausnutzten und sie, wo es ging, übervorteilten. «Diese Leute benehmen sich dem Einwanderer ins Gesicht als seine besten Freunde, wohlverstanden, solange er noch Geld besitzt, und hinter seinem Rücken sinnen sie auf allerlei Mittel und Künste, um ihn so gründlich wie möglich auszu- saugen, hat aber der arme Einwanderer nichts mehr, dann mag er sehen, wie er sich durchringt. Ja diese Sorte zählt Legionen und hat ihre Glieder in allen Schichten der Bevölkerung, vom elenden Vagabunden bis hinauf zum frommblickenden Herrn Pfarrer. Diese Klasse ist für das Eigenthum der Einwanderer gefährlicher, als die verwegenen Vagabun- den und Strassenräuber, die schnell und offen ihr Opfer aufsuchen.»112 Von Glück konnten da jene sprechen, die von Bekannten oder Ver- wandten erwartet und aufgenommen wurden, bis sie selbst Arbeit und eine eigene Wohnung gefunden hatten.113 Doch auch wenn sie für den Start ins neue Leben Hilfe von Landsleuten, Bekannten oder Freunden fanden, war der Neubeginn nicht leicht. Davon aber soll später die Rede sein. 111 zit. n. Ott, S. 35. 112 Conzett S. 137. 113 Brief v. Sybille Eberle an ihre Schwester, 11. 5. 1881, zit. n. Bucher. 54
        

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