bis 6 Uhr Morgens. Sonntags den ganzen Tag zu. Auf Bällen wird nach 9 Uhr nur noch Wasser servirt. Deutsche werden immer mehr aus öf- fentlichen Ämtern verdrängt. Dazu kommt noch die arbeits- und geldlose Zeit. Über eine Hälfte der Arbeiter sind verdienstlos und die andere Hälfte arbeitet für den halben Preis. Unsere Stadt gewährt einen wirklich traurigen Anblick, nebst all der Noth nach 9 Uhr abends eine egyptische Finsternis (d. h. wenn der Mond nicht scheint)». Allzu enttäuscht aber scheint der in einer Monarchie geborene Ma- rock von Amerika doch nicht gewesen zu sein, denn sein Brief schliesst mit den Worten: «Vive la Republique !»°° Immerhin: Die Arbeitslosigkeit, von der Marock spricht, war weit- verbreitet. Zeitungsberichte aus dem Jahr 1875 sprachen davon, dass «nicht weniger als eine Million Arbeiter und Arbeiterinnen brodlos» seien.01 Handbücher für Auswanderer Neben den Zeitungsberichten über Amerika erschienen schon früh zahlreiche Bücher und Schriften mit Ratschlägen für Auswanderer. Zwei, von denen anzunehmen ist, dass sie auch in Liechtenstein Verbrei- tung gefunden haben, seien hier erwähnt: Das eine erschien im Jahre 1871 in Chur und war vom Typographen Conrad Conzett «nach eigenen Erfahrungen geschrieben»,02 das andere erschien in Basel und war ver- fasst von Adolf Ott, einem ehemaligen Mitarbeiter am deutsch-ameri- kanischen Konversationslexikon und weiterer amerikanischer Zeit- schriften, der sich in den 80er Jahren als Reisebegleiter für Auswan- derergruppen betätigte.03 Beide nahmen für sich in Anspruch, «alles Wissenswerte für Aus- wanderer, gewissenhaft nach eigenen Erfahrungen und Anschauungen» 60 «Liecht. Wochenzeitung», 6. 2. 1874, Marocks Brief ist datiert v. 18. 12. 1873. 61 «Liecht. Wochenzeitung». 12. 3. 1875. 62 s. Literaturverzeichnis S. 215. 63 s. Literaturverzeichnis S. 215. Otts Tätigkeit als Reiseleiter geht aus einem Inserat im «Liecht. Volksblatt» v. 20. 5. 1881 hervor, in dem auch sein Buch angepriesen wird. 36
        

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