wurde deren wirkliche Bedeutung nur langsam erkannt, und gerade in England, der Heimat Jenners, verschloss man sich den neuen Erkennt- nissen weitgehend. Für die Ausbreitung der Kuhpockenimpfung war daher die Pionier- leistung kontinentaleuropäischer Ärzte mitentscheidend. Jenners Stu- dien gehen auf das Jahr 1775/76 zurück, 20 Jahre später im Jahr 1796 gelang ihm der entscheidende erste Versuch am Menschen, 1798 er- folgte die erste Publikation in England, und im Jahre 1800 erschienen davon Übersetzungen in französischer und deutscher Sprache. So stand der Ausbreitung der Impfung auf dem Kontinent — sofern sich die Ärzte dafür interessierten — nichts mehr entgegen, und zahlreiche Ärzte in West- und Mitteleuropa machten davon Gebrauch. Unter ihnen führte schon im Jahre 1802 ein junger liechtensteinischer Arzt Dr. Gebhard Schaedler hier im Land die ersten Kuhpockenimpfungen durch. Bald aber wurde in fortschrittlichen mitteleuropäischen Staaten das Impfobligatorium auf gesetzlicher Basis eingeführt: 1806 im Kan- ton Aargau, 1807 in den Ländern Bayern und Hessen, 1812 in Liechten- stein, 1826 in Sachsen usw. Wir dürfen mit berechtigtem Stolz regi- strieren, dass unser Staat zu den ersten Ländern der Welt gehörte, in welchen dieser Fortschritt erkannt wurde und durch gesetzliche Mass- nahmen erst seine volle segensreiche Auswirkung erhalten konnte. Wer war nun dieser junge liechtensteinische Arzt, der mit der Ein- führung der Kuhpockenimpfung zuerst auf privater Basis und dann als Promotor ihrer gesetzlichen Verankerung eine wirkliche ärztliche Pionierleistung vollbrachte? Gebhard Schaedler wurde vor 200 Jahren am 21. September 1776 in Mauren als Sohn des Johann Georg Gebhard Schaedler geboren. Es war genau jenes Jahr, als Jenner in England seine ersten Untersuchun- gen über die Kuhpocken begann. Sein Vater war in Mauren als «Chirurgus» tätig. So lag es denn nahe, dass er nach dem Besuch des Feldkircher Gymnasiums das Medizinstudium ergriff. Im Jahre 1798 schloss er dieses an der Universität Freiburg i. B. mit dem Magistrat in Medizin und Chirugie ab. Noch aus seiner Studentenzeit in Freiburg ist überliefert, dass er als Freiwilliger mehrere Gefechte gegen die Franzosen mitmachte. Bei einem Gefecht in der Nähe von Breisach wurde er ziemlich schwer verwundet, fand aber bis zur Ausheilung seiner Verletzungen beste Pflege in einem Frauenkloster. 338
        

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