Eine Aufgliederung nach Typen zeigt mit aller Deutlichkeit, dass keine Scheibenform gleichermassen in ost- und westfränkischem, alemannischem und baiuwarischem Raum verbreitet ist. Dabei ist auffallend, dass der ostfränkische Raum dem alemannisch-baiuwa- rischen enger verbunden ist, als mit dem westfränkischen. Die Werkstätten der einzelnen Typen und Gruppen werden in den einzelnen Fundzentren gelegen haben. Das Nachgiessen «frem- der» Formen konnte zur Vereinfachung, Umbildung und auch zur Degenerierung von Motiven führen. Für Tragweise und Gebrauch der Scheiben ergab die Forschung das folgende: Im austrasischen Raum finden sie sich in der Regel auf der linken Seite der Bestatteten neben dem Bein zusammen mit anderen Kleinutensilien (Messer, Schere etc.). Wie diese hingen sie vom Gürtel herab und wurden an mehr oder weniger langen Leder- oder Stoffbändern getragen. Oft waren sie von einem Umfassungs- ring, meist aus Elfenbein oder Bronze, umgeben, der zugleich als Schutz und Rahmen diente. Auf westfränkischem Boden fanden sich die Zierscheiben in Beckenhöhe und dienten in der Regel zum Einhängen des Gürtel- gehänges der Frau, der sogenannten «trousse». Dieser Unterschied zwischen dem austrasischen und dem westfränkischen Raum, der hier in abweichender Verwendung der Zierscheiben zum Ausdruck kommt, liegt ganz klar zu Tage und ist unbestritten. Die Herkunft der Zierscheibensitte ist nicht bekannt; gewisse Anregungen mögen aus dem Mittelmeerraum gekommen sein. Insgesamt aber handelt es sich um eine eigenständige, merowingi- sche Sitte, die im 6. Jahrhundert in Mode kam und im 7. Jahrhun- dert die stärkste Verbreitung fand. Sie wurden als übelabwehrende Zaubermittel, als sogenannte Apotropaia, getragen, sie sollten der Trägerin Schutz und auch Kraft verleihen. Man darf auch als ge- sichert annehmen, dass die Zierscheibensitte mehr der germanisch- heidnischen Glaubenssphäre angehörte, als der christlichen. Das im 8. Jahrhundert erstarkende Christentum bewirkte dann das rasche Ende dieser weitverbreiteten, meist noch heidnischen Sitte. b) Der Fund dieser Scheibe in Schaan ist recht bedeutsam. Er lässt den Schluss zu, dass unsere frühen Vorfahren, die das heutige Staats- gebiet von Liechtenstein in der Zeit der Völkerwanderung teilweise 292
        

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