Menzinger bittet um Instruktionen Ein Fall wie der beschriebene war für den Landvogt Menzinger — wie schon erwähnt — neu. Zwar hatte es schon immer Bürger gegeben, die gehofft hatten, in der Fremde ihr Glück zu machen und deshalb aus Liechtenstein weggezogen waren. Bis in die Vierziger Jahre des 19. Jahr- hunderts aber hatte sich die Auswanderung im kleinen Rahmen gehal- ten.5 Noch 1835 hatte Menzinger an die Hofkanzlei in Wien geschrieben, die Auswanderung in entferntere Staaten sei eher selten, und wenn, dann handle es sich um Personen, «die in ihrer Heimat das gewünschte Fortkommen nicht finden, oder dem Hause lästig fallen».0 Im Laufe der 40er Jahre aber hatte die Auswanderungsbewegung zugenommen; während bis dahin neben der Schweiz, Österreich und den süddeutschen Staaten Ungarn, Russland, Frankreich, Belgien, Holland und Sardinien Ziele der liechtensteinischen Emigranten gewesen waren,7 lockte nun plötzlich Amerika die Auswanderungswilligen. «So wie in der benachbarten Schweiz»,8 schrieb Menzinger aufgrund des Gesuches der beiden Balzner Bürger an die Hofkanzlei in Wien, «so beginnt sich auch diesseits die Auswanderungssucht in jenen ent- fernten Welt Theil zu wandern auf ganze Familien auszudehnen, die ungeachtet ihnen ertheilten Vorstellungen bei ihrem Vorhaben be- harren». Menzinger machte keinen Hehl daraus, wie er über den Fall der Familien Nigg und Vogt dachte: Zum einen glaubte er nicht an die Ab- sicht der Familienväter, «unter besseren Verhältnissen wieder in ihre Gemeinde» zurückzukehren, und zum anderen scheute er davor zurück, 5 Ospelt, S. 57. 6 Quaderer, S. 226. 7 Ospelt, S. 57. 8 In der Schweiz hat die Auswanderung nach Amerika bedeutend früher eingesetzt. Bereits 1710 reiste das erste Kontingent von etwa 5000 Perso- nen, namentlich Berner Wiedertäufer, nach Amerika. 1735 kam es zur Gründung der Schweizer Kolonie New Berne (North Carolina). Eine zweite Massenauswanderung, besonders aus dem Kanton Zürich und aus der Ostschweiz, folgte in den 30er und 40er Jahren des 18. Jahrhunderts. Einige Kantone verboten daraufhin die Auswanderung, die aber in den 30er- und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts einen neuen Höhepunkt er- reichte. S. dazu Mötteli S. 4 - 40, Karrer S. 1 - 12. 14
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.