In diesen wenigen Zeilen, entnommen einem Bericht der «Liech- tensteiner Nachrichten» aus dem Jahre 1926, spiegeln sich die ganzen Erwartungen, die man damals in eine Auswanderung nach Amerika, dem «Land der unbegrenzten Möglichkeiten», setzte, jenem Land, in dem jeder noch die Möglichkeit hatte, Karriere zu machen und dereinst als «reicher Onkel aus Amerika» heimzukehren. Der Traum ist für keinen jener Auswanderer in Erfüllung gegangen. Wohl haben sich viele im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ein eigenes Haus erarbeitet, andere ein eigenes Geschäft, das grosse Geld aber ist ausgeblieben.214 Wie dies bei den Auswanderungswellen des 19. Jahrhunderts zu beobachten war, kam es auch in diesem Jahrhundert, zumindest bis in die 30er Jahre, zu Konzentrationen liechtensteinischer Einwanderer. Chicago und seine Umgebung übte dabei eine besondere Anziehungs- kraft aus, kleinere Liechtensteiner-Ansammlungen finden sich aber auch in Cincinnati/Ohio und in Milwaukee/Wisconsin. Neben diesen drei Hauptpunkten verteilen sich die Einwanderer aber, viel mehr als im Jahrhundert zuvor, über das gesamte Territorium der Vereinigten Staaten, von New York bis San Francisco und von der kanadischen Grenze bis hinunter nach Texas. Harte Arbeit und wenig Verdienst in Hammond Am 5. November 1924 stand die 19jährige Luzia Batliner aus Mauren mit ihren Koffern auf dem Bahnhof von Hammond, einer Vorstadt von Chicago. Das Mädchen sprach kein Wort englisch und war völlig hilflos, weil aus irgend einem Grund ihr Bruder Arnold, der schon vorher nach Hammond ausgewandert war, nicht am Bahnhof erschienen war, um sie abzuholen. Seine Adresse hatte Luzia nicht, was in englisch auf dem Zettel stand, den sie in der Hand hielt, war lediglich eine Postfach- nummer. Mitleidige Passanten machten schliesslich einen Polizisten auf das verlorene Mädchen aufmerksam, der sie zum nächsten Postamt mit- nahm, um die Adresse des Postfachinhabers herauszufinden. Als er eben von einem Laden aus bei Arnold Batliner anrufen wollte, begegne- ten sie diesem und seinem Kollegen Lukas Matt auf der Strasse. Luzia war damit endlich am Ziel ihrer Reise. 214 Interview mit Maria Real, Vaduz, in den USA 1927-1938. 135
        

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